Aktuelle Gesundheitsinfo

Antidepressiva schrittweise absetzen?

Viele Menschen nehmen zeitweise Antidepressiva – in Deutschland sind es etwa 8 bis 10 Prozent. Doch was passiert eigentlich, wenn die Betroffenen die Medikamente wieder absetzen möchten?

Nocebo statt Placebo

Im Schnitt ein Jahr lang nehmen Menschen mit Depressionen ihre Medikamente ein. Wer die Medikamente dann wieder absetzt, leidet in jedem dritten Fall zunächst einmal unter Absetzsymptomen. Das sind dann zum Beispiel Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit. Eine Studie mit rund 20  000 Personen sagt nun, dass einige dieser Symptome gar nicht echt wären. Sie seien dem „Nocebo-Effekt“ zuzuschreiben, dem Gegenstück zum Placebo-Effekt. Beim Placebo-Effekt bemerken Patient*innen trotz fehlendem Wirkstoff in ihrem Medikament eine Verbesserung. Beim Nocebo-Effekt spüren die Patient*innen Absetz-Symptome, obwohl sie vorher gar keinen Wirkstoff erhalten haben.

Dosis langsam reduzieren

Die Studie kam auch zu einem weiteren interessanten Ergebnis: So machte es keinen Unterschied, ob die Medikamente schrittweise oder sofort komplett abgesetzt wurden. Das widerspricht der gängigen Empfehlung, Antidepressiva auszuschleichen, also die Dosis langsam zu reduzieren. Fachleute zeigen sich dem Ergebnis gegenüber skeptisch – die Studie reiche nicht aus, um zuverlässig zu diesem Schluss zu kommen. Das räumen auch die Forschenden selbst ein.

Immer in Begleitung einer Ärzt*in

Außerdem betonen die Forschenden, dass jedes Absetzsymptom ernst zu nehmen ist und mit der Ärzt*in abgeklärt werden sollte – ganz egal, ob „real“ oder nicht. Das Absetzen der Antidepressiva sollte zudem immer von einer Ärzt*in begleitet werden. Und nicht zuletzt müsse man auch unterscheiden, ob die Symptome tatsächlich auf das Absetzen der Medikamente zurückgehen oder ob es sich um einen Rückfall handelt.

Quellen: Deutsches Ärzteblatt


Hautreizung unter Windeln vermeiden

Windeln halten Jung und Alt trocken, doch darunter kommt es durch den Kontakt mit Urin und Stuhl leicht zu Hautirritationen. Wie lässt sich vorbeugen?

Bei Erwachsenen nicht von Windeldermatitis sprechen

Hautirritationen unter der Windel drohen nicht nur bei Säuglingen und Kleinkindern. Auch ältere Menschen leiden schnell darunter, wenn sie aufgrund einer Inkontinenz in entsprechende Windeln oder Plastikhosen gepackt werden. Während man bei Säuglingen von einer Windeldermatitis spricht, heißt die Erkrankung bei Erwachsenen Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD).

Ob Windeldermatitis oder IAD, ob Kind oder Erwachsener – die Ursache der Hautreizung ist immer ein Zusammenspiel folgender Faktoren:

  • Okklusionseffekt, d.h. die meist luftdicht abgeschlossen sitzende Windel
  • Feuchtes und warmes Klima unter der Windel
  • Reibung des Materials an der im Intimbereich besonders sensiblen Haut
  • Druckstellen
  • Kontakt mit Stuhl und Urin.

Bei milden Verläufen ist die Haut nur gerötet. Kommt es zu Pusteln und Papeln, sind häufig Bakterien oder Pilze beteiligt. In diesen Fällen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Das Gleiche gilt, wenn eine milde Dermatitis trotz der im Folgenden beschriebenen Maßnahmen nicht besser wird.

Windelfreie Zeit einplanen

Zur Behandlung der Windeldermatitis oder IAD empfehlen Hautärzt*innen eine windelfreie Zeit im Tagesablauf, damit die Haut sich an der Luft erholen kann. Zudem sollte die Windel alle zwei bis drei Stunden gewechselt werden, damit Ausscheidungen so kurz wie möglich Kontakt mit der Haut haben. Es gibt bei den Windeln auch Unterschiede: Produkte mit absorbierenden Gelen binden die Feuchtigkeit besser und sind vor allem im Fall einer bereits erkrankten Haut eine gute Wahl.

Gereinigt wird der gestresste Bereich am besten mit öligen Pflegetüchern oder klarem Wasser. Die Produkte sollen duft- und alkoholfrei sein, und zum Eincremen sollten milde Cremes verwendet werden. Zusätzlich helfen Sitzbäder mit Kamille und Gerbstoffen, damit die betroffene Haut wieder heilt. Um zu verhindern, dass die Hautreizung erneut auftritt, sind spezielle zinkhaltige und pflegende Hautschutzcremes hilfreich.

Inkontinenzhilfen wechseln kann helfen

Die IAD von Erwachsenen wird prinzipiell genauso behandelt wie die Windeldermatitis bei Kindern. In Fällen, in denen es immer wieder zu einer IAD kommt, müssen die behandelnden Ärzt*innen manchmal andere Inkontinenzmaßnahmen verschreiben. Eine Option ist ein Blasenkatheter, bei Stuhlinkontinenz können auch Analtampons helfen, dass der Kontakt der Ausscheidungen zur Haut minimiert wird.

Quelle: ptaheute

Verhütung in der Perimenopause

Nähert sich eine Frau den Wechseljahren, nimmt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft ab. Muss dann noch verhütet werden und wenn ja, mit welcher Methode?

Was ist die Perimenopause?

Wird über die Wechseljahre der Frau gesprochen, ist ein Begriff immer häufiger zu hören: die Perimenopause. Dieser Zeitraum beschreibt die Jahre vor und nach dem altersbedingten Ausbleiben der Blutung, der Menopause. Diese Phase kann ganz unterschiedlich sein. Bei manchen Frauen wird der Zyklus schon ab 40 Jahren unregelmäßig, andere fühlen sich wie immer, bis die Blutung irgendwann jenseits der Fünfzig ausbleibt. Da der individuelle Zeitpunkt der Menopause nicht vorhergesagt werden kann, kann auch der Zeitraum für die Perimenopause nur ungefähr geschätzt werden. Die meisten Frauen sind mit 52 Jahren in der Menopause. Den Beginn der Perimenopause sehen Mediziner*innen durchschnittlich bei 47,5 Jahren.

Muss überhaupt noch verhütet werden?

Prinzipiell kann jede Frau schwanger werden, die noch einen Eisprung hat. Allein die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft nimmt mit dem Alter ab. Denn aufgrund zu niedriger Hormonspiegel findet nicht mehr in jeder Periode ein Eisprung statt. , Außerdem entsteht aus den gealterten Eizellen oft keine intakte Schwangerschaft mehr. Falls also die Familienplanung abgeschlossen ist und kein Kinderwunsch besteht, sollte besser verhütet werden. Erst ab ungefähr 55 Jahren gilt eine Schwangerschaft als ausgeschlossen.

Verhütung in der Perimenopause neu überlegen

Gemeinsam ist allen Frauen, dass während der Perimenopause die Hormonspiegel absinken. Häufig wird der Zyklus unregelmäßiger, weil die beteiligten Hormone nicht im gleichen Maß abnehmen. Die entstehenden Ungleichgewichte führen zu stärkeren oder schwächeren Blutungen, die schneller oder langsamen aufeinander folgen können. Gegen Ende der Perimenopause kann die Periode auch mehrmals in Folge ausbleiben, bevor wieder ein „normaler“ Zyklus folgt. Diese Unregelmäßigkeiten können dafür sorgen, dass die gewohnte Verhütungsmethode nicht mehr passt. Dazu kommt, dass sich in dieser Zeitspanne oft persönliche Veränderungen ergeben, sei es mit der Familiensituation oder der der Lebensplanung, oder es sind neue Gesundheitsrisiken entstanden, wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Migräne. Diese können ebenfalls eine Neubewertung der gewohnten Verhütungsmethode nötig machen, denn bereits ab 35 Jahren steigt das Risko für Thrombosen und Herz-Kreislauferkrankungen bei Einnahme östrogenhaltiger Präparate an.

Am besten mit der Ärzt*in besprechen

Was ist nun die beste Verhütungsmethode? Das hängt von der Frau und ihrer Lebenssituation ab. Birgt die etablierte Methode inzwischen Gesundheitsrisiken? Möchte die Frau weiterhin hormonell verhüten, um Einfluss auf den Zyklus zu haben? Oder möchte sie lieber ohne Hormoneinnahme leben? Oder soll die Methode vor allem unkompliziert sein? Alle diese Fragen lassen sich in einem Gespräch mit der Frauenärzt*in klären, damit die Verhütung auch weiterhin optimal zum Leben passt.

Quellen:

Impfungen im Herbst

In der kalten Jahreszeit nehmen Atemwegsinfekte wieder zu. Für viele Menschen sind jetzt Impfungen empfohlen. Was hat sich geändert und wo gibt es gute Informationen? 

Schwere Verläufe vermeiden

Mit dem Spätsommer und Frühherbst beginnt die Saison für viele Krankheitserreger. Das liegt unter anderem daran, dass Menschen mehr Zeit in Innenräumen verbringen. Auch trockene Heizungsluft begünstigt das Überleben von Atemwegserregern. Grippe- und Coronaviren, RSV und Pneumokokken breiten sich so leicht aus. In der Regel sind diese Infekte harmlos. Für manche Bevölkerungsgruppen können sie aber gefährlich werden. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) rät deshalb, den eigenen Impfschutz jetzt zu prüfen.

Wer welche Impfung braucht

Viele Impfempfehlungen richten sich nicht an die ganze Bevölkerung, sondern nur an besonders gefährdete Gruppen. Dazu zählen
Menschen über 60

  • Eltern von Säuglingen und Kleinkinder
  • Schwangere
  • chronisch Kranke
  • Menschen mit beruflichem Risiko, z. B. Mitarbeitende im Krankenhaus
  • Bewohner*innen und Personal von Pflegeheimen

Welche Impfungen noch fehlen, lässt sich mit den Online-Impfchecks des BIÖG herausfinden. Dieser ist auf der Seite https://www.infektionsschutz.de/impfchecks/ abrufbar

Neue Corona-Empfehlungen

Dieses Jahr geändert hat sich die Empfehlung zur Corona-Impfung: Die jährliche Auffrischung wird nun erst für Menschen mit 75 Jahren empfohlen statt ab 60 Jahren. Für gesunde Erwachsene entfällt zudem die Empfehlung, eine eigene Grundimmunität aufzubauen. Das Virus kursiert mittlerweile so lange, dass in der Bevölkerung eine Grundimmunität vorhanden ist. 

Impfen in Praxis und Apotheke

Im Regelfall sind mehrere Impfungen an einem Termin möglich. Welche Kombination im Einzelfall sinnvoll ist, lässt sich am besten in der Arztpraxis klären. Impfungen für Erwachsene gegen Grippe- oder Corona bieten zudem einige Apotheken an. Der Impfschutz baut sich etwa zwei Wochen nach der Impfung auf. Die Kosten für von der STIKO empfohlene Impfungen übernehmen in der Regel die Krankenkassen. 

Quelle: IDW 

Kühlkappe schützt die Haare

Haarausfall ist eine belastende Nebenwirkung einer Chemotherapie. Durch eine Kühlung der Kopfhaut lässt sich der Haarausfall verringern – doch nicht alle profitieren.

Kälte für die Haarwurzeln

Viele Chemotherapien lassen die Haare ausfallen. Vor allem jüngere Frauen empfinden das als sehr belastend. Ein kompletter Haarverlust wird oft als stigmatisierend erlebt und kann sogar beeinflussen, wie Betroffene die Therapie annehmen. Dem Haarausfall lässt sich mit einer Kühlung der Kopfhaut vorbeugen. Dabei tragen Patient*innen eine Kühlkappe, die die Kopfhaut vor, während und nach jeder Chemotherapie-Sitzung auf 19-20 °C herunterkühlt. Die Kälte verengt die Blutgefäße, sodass weniger Wirkstoff der Chemotherapie an die Haarwurzeln gelangt.

Zwei Drittel behalten ihre Haare

Wie gut das im Praxisalltag funktioniert, haben Forschende in Niedersachsen untersucht. Dafür wurden Daten von über 450 Brustkrebs-Patientinnen ausgewertet, denen während ihrer Chemotherapie eine Kopfhautkühlung angeboten wurde. Knapp 90 % nahmen das Angebot an. Bei knapp zwei Dritteln der Behandelten, die die Behandlung bis zum Ende erhalten haben, blieben die Haare gut erhalten. 

Viele brechen ab

Die Kopfhautkühlung funktioniert allerdings nicht für alle gut. Fast die Hälfte der Studienteilnehmenden beendete die Kühlung vorzeitig. Häufigster Grund war, dass die Haare trotz Kühlung ausfielen. Gut jede Fünfte der Abbrechenden vertrug die Kälte nicht, einige bekamen Kopfschmerzen. Dazu haben etwa 10 % die Therapie von vornherein abgelehnt – der häufigste Grund war Angst für Kälteunverträglichkeit und Migräne. Dass die Therapie dennoch im klinischen Alltag angekommen ist, zeigt ein Blick in ärztliche Leitlinien. Diese empfehlen, dass Patient*innen bei einer Therapie mit bestimmten Chemotherapeutika, den Taxanen, eine Kopfhautkühlung angeboten werden sollte. 

Quelle: Ärzteblatt 

Mit Creme gegen Jucken und Schmerz

Mit starkem Juckreiz und Schmerzen ist ein chronisches Handekzem sehr belastend für die Betroffenen. Eine 2024 zugelassene Creme lindert die Beschwerden innerhalb weniger Tage.

Herausforderung schweres Handekzem

Die Behandlung des chronischen Handekzems ist schwierig. Insbesondere in ausgeprägten Fällen nützen rückfettende und feuchtigkeitsspendende Pflege nur wenig. Sind Juckreiz und Schmerzen auch mit wirkstoffhaltigen Cremes (Kortison oder Calcineurininhibitoren) nicht zu beherrschen, werden meist Tabletten mit Retinoiden verordnet. Diese haben jedoch starke Nebenwirkungen - sie können z.B. Sehstörungen und Kopfschmerzen auslösen. Vor allem aber sind sie teratogen, d.h. sie führen beim Fötus zu schweren Missbildungen.

Wirkte schneller und besser als Retinoidtabletten

Seit kurzem gibt es für Menschen mit schwerem Handekzem jedoch eine vielversprechende neue Behandlungsmöglichkeit: den Januskinase-Hemmer Delgocitinib. Der Wirkstoff war als Creme in einer Studie mit 503 Patient*innen erfolgreicher als die Therapie mit Retinoidtabletten. Und zwar bei allen untersuchten Parametern. Das zwei Mal tägliche Auftragen von Delgoticinib-Creme linderte sowohl Schmerzen und Juckreiz schon nach einer Woche deutlich stärker als das Retinoid, wobei der Vorteil bis zum Studienende nach 12 Wochen anhielt. Überlegen war die Creme auch in puncto Lebensqualität.

Wirkstoffe, die auf die Haut aufgetragen werden, haben meist weniger Nebenwirkungen als solche, die geschluckt werden. Das zeigte sich auch in dieser Studie: Zu unerwünschten Wirkungen kam es unter der Creme nur bei 1,2 % der Behandelten. Bei denjenigen, die Retinoidtabletten einnahmen, waren dies acht Mal so viele.

Seit September zugelassen

Dass der Januskinase-Hemmer beim Handekzem so effektiv ist, liegt an seiner breiten Wirkung in den Zellen. Dort beeinflusst er verschiedene Signalwege, die für Entzündungsreaktionen in der Haut und die Hautbarriere verantwortlich sind.

Mitte September 2024 wurde Delgoticinib die EU-Zulassung erteilt. Eingesetzt werden darf die Creme bei erwachsenen Patient*innen mit schwerem chronischen Handekzem, bei denen eine Therapie mit Kortisoncremes nicht ausreicht oder nicht vertragen wird.

Quelle: Ärztezeitung

Dem Lipödem Einhalt gebieten

Lipödeme sind nicht einfach eine Form von Übergewicht, sondern eine eigenständige Erkrankung. Neben dem kosmetischen Problem verursachen sie auch Druckempfindlichkeit und Schmerzen an den betroffenen Gliedmaßen. Mit einer gezielten Behandlung lassen sich die Beschwerden lindern. Neben Kompression, Bewegung und einem gesunden Lebensstil kommt bei anhaltenden Schmerzen auch eine Liposuktion infrage.

Fettvermehrung an Beinen und Armen

Ein Lipödem ist eine chronische, schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Dabei ist das Unterhautfettgewebe an den Armen oder Beinen symmetrisch und im Verhältnis zum übrigen Körper ungleichmäßig verteilt. Typisch ist beispielsweise, dass Oberschenkel und Unterschenkel deutlich kräftiger sind, während der Rumpf vergleichsweise schlank bleibt. Die Füße und Hände sind in der Regel ausgespart.

Ein Lipödem ist nicht einfach eine Form von Übergewicht, sondern eine eigenständige Erkrankung. Bei Übergewicht nimmt das Körperfett grundsätzlich am gesamten Körper zu – also auch am Bauch und Rumpf. Beide Erkrankungen können allerdings gleichzeitig bestehen. Dann kann zusätzliches Körperfett die Ausprägung der Beine oder Arme verstärken.

Die Ursachen des Lipödems sind noch nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen von einem Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen aus. Auch eine genetische Veranlagung wird diskutiert.

Wie macht sich das Lipödem bemerkbar?

Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf. Erste Veränderungen machen sich häufig während hormoneller Umstellungen bemerkbar – meist in der Pubertät, manchmal aber auch nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend und werden deshalb nicht immer früh erkannt. Im Alltag fällt zunächst möglicherweise auf, dass Beine oder Arme im Verhältnis zum übrigen Körper ungewöhnlich kräftig werden. Im weiteren Verlauf kommen meist folgende Beschwerden dazu: 

  • Schmerzen oder Druckempfindlichkeit,
  • eine Neigung zu Blutergüssen und 
  • ein Schwere- oder Spannungsgefühl der Beine.

Das Lipödem kann über viele Jahre bestehen, ohne sich deutlich zu verändern. Es muss also nicht zwangsläufig fortschreiten. Bei manchen Betroffenen nehmen Fettgewebe und Beschwerden jedoch im Laufe der Zeit zu. Auch eine Zunahme des Gewichts kann die Symptome verstärken.

Tipp: Beobachten Sie, ob sich Beschwerden und Umfang der Beine im Tagesverlauf verändern. Notieren Sie auch, wann Schmerzen, Spannungsgefühl oder Druckempfindlichkeit besonders ausgeprägt sind. Solche Informationen können beim ärztlichen Gespräch hilfreich sein.

Bei Verdacht immer ärztlich abklären lassen!

Den Verdacht auf ein Lipödem sollte man immer ärztlich abklären lassen. Das gilt insbesondere dann, wenn dadurch der Alltag, die Bewegung oder die Lebensqualität einschränkt werden. Eine frühzeitige Untersuchung kann nachweisen, ob tatsächlich ein Lipödem vorliegt oder eine andere Ursache dahintersteckt.

Denn es gibt einige Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen. Neben Übergewicht und Adipositas sind dies das Lymphödem, venöse Erkrankungen und eine sogenannte Lipohypertrophie. Bei der Lipohypertrophie ist das Fettgewebe ebenfalls ungleich verteilt, es bestehen aber keine für das Lipödem typischen Schmerzen oder Druckempfindlichkeit.

Die Ärzt*in stellt die Diagnose meist durch eine Befragung und eine gründliche körperliche Untersuchung. Bildgebende Verfahren sind nicht erforderlich, um ein Lipödem zu diagnostizieren. Sie können sinnvoll sein, wenn andere Erkrankungen ausgeschlossen werden sollen. Einen einzelnen Blutwert, mit der sich ein Lipödem sicher nachweisen lässt, gibt es ebenfalls nicht.

Wie Kompression, Bewegung und Ernährung helfen

Beim Lipödem geht es vor allem darum, die teils erheblichen Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern. Die Therapie besteht aus mehreren Bausteinen:

  • Die Kompression – also Druck auf die betroffenen Bereiche – gehört zu den wichtigsten konservativen Behandlungsmöglichkeiten. Je nach Körperform und Beschwerden können medizinische Kompressionsstrümpfe, Kompressionsverbände oder mit Klettverschlüssen verstellbare Kompressionsbandagen eingesetzt werden. Für die langfristige Versorgung werden im Routinefall Kompressionsstrümpfe bevorzugt. Wichtig zu wissen: Kompression baut das krankhaft vermehrte Fettgewebe nicht ab, sondern hilft dabei, Beschwerden wie Schmerzen zu lindern. Wenn zusätzlich ein Ödem anderer Ursache besteht, kann die Kompression auch die Flüssigkeitseinlagerung reduzieren.
  • Ein weiterer zentraler Bestandteil der Behandlung ist Bewegung. Sie kann dazu beitragen, Schmerzen zu verringern und die körperliche Funktion zu erhalten. Ein spezielles „Lipödem-Training“ ist nicht erforderlich. Entscheidend ist, eine Form der Bewegung zu finden, die regelmäßig möglich ist und die Beschwerden nicht verstärkt. Empfohlen werden z. B. Ausdauertraining, moderates Krafttraining oder Bewegung im Wasser.
  • Eine manuelle Lymphdrainage kann ebenfalls zur Schmerzlinderung und zur Entspannung beitragen. Bei gleichzeitig vorhandenen Ödemen unterstützt sie außerdem den Flüssigkeitsabtransport. Das Fettgewebe selbst baut sie beim Lipödem jedoch nicht ab.
  • Bei zusätzlichem Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme empfehlenswert. Denn wenn das Volumen der Beine weniger wird, fällt es den Patientinnen leichter, sich zu bewegen und trainingstechnisch am Ball zu bleiben. Eine spezielle Diät für das Lipödem gibt es allerdings nicht. Die Leitlinie empfiehlt eine langfristige, individuell angepasste gesunde Ernährung anstelle kurzfristiger Diäten.

Es steht auch keine spezielle medikamentöse Therapie für das Lipödem zur Verfügung. Im Internet empfohlen werden manchmal Diuretika, also entwässernde Medikamente. Fachleute raten davon ab – es sei denn, diese sind aus anderen medizinischen Gründen erforderlich. Bei starken Schmerzen kann vorübergehend eine Schmerztherapie erwogen werden. Sie behandelt jedoch nicht die Ursache des Lipödems und sollte nur nach ärztlichem Rat erfolgen.

Tipp: Wenn Kompressionsstrümpfe unangenehm sind oder Druckstellen verursachen, sollten Sie nicht einfach darauf verzichten. Lassen Sie Sitz und Passform überprüfen. Kompressionsstrümpfe lassen sich in der Regel gut anpassen.

Mit Liposuktion das Fett entfernen

Wenn trotz aller konservativen Maßnahmen weiterhin erhebliche Schmerzen bestehen, ist die Liposuktion eine Behandlungsoption. Mit diesem Verfahren kann man einen großen Teil des krankhaft vermehrten Unterhautfettgewebes an Beinen oder Armen dauerhaft entfernen.

Dazu saugt die Ärzt*in das Fett mit speziellen Kanülen ab. Je nach Ausdehnung können mehrere Eingriffe erforderlich sein. Die Operation ist kein Verfahren zur allgemeinen Gewichtsabnahme. Ziel ist vielmehr die gezielte Verringerung des betroffenen Fettgewebes. Deshalb sollte die Indikation nicht mit dem Wunsch nach einer kosmetischen Veränderung verwechselt werden.

Nach dem Eingriff ist die Behandlung nicht automatisch beendet. Die Leitlinie empfiehlt direkt im Anschluss eine Entstauungstherapie mit manueller Lymphdrainage und Kompression. Zudem soll die übliche konservative Behandlung in Form von Bewegung und Gewichtskontrolle fortgeführt werden.

Die bisherigen Daten sprechen dafür, dass die Liposuktion bei schmerzhaftem Lipödem wirksam ist. In einer aktuellen deutschen Studie wurden dazu 410 Frauen untersucht. Bei 68% ließen sich durch die Liposuktion die Beinschmerzen deutlich verringern. Mit der konservativen Behandlung gelang dies nur bei 8 %. Auch die Lebensqualität verbesserte sich durch die Op stärker. Allerdings traten nach der Liposuktion häufiger unerwünschte Ereignisse auf. Dazu gehörten z. B. Infektionen an der Einstichstelle, Thrombosen oder ein Hämoglobinabfall.

Hinweis: Geheilt wird das Lipödem durch eine Liposuktion nicht. Die Behandlung beseitigt zwar das krankhaft vermehrte Unterhautfettgewebe. An den Ursachen der Erkrankung ändert sie nichts. Das bedeutet, dass das Lipödem auch nach einer erfolgreichen Liposuktion wieder auftreten kann.

Wer kommt für eine Liposuktion in Frage?

Die Liposuktion ist keine Methode zur Gewichtsabnahme. Ziel ist vielmehr, das krankhaft vermehrte Unterhautfettgewebe zu reduzieren und dadurch Beschwerden und Bewegungseinschränkungen zu lindern.

In Frage kommt die Liposuktion beim Lipödem, wenn trotz konservativer Behandlung weiterhin deutliche Beschwerden bestehen. Dazu gehören insbesondere Schmerzen. Auch erhebliche Einschränkungen der Beweglichkeit oder Folgeprobleme an Haut und Gelenken können bei der individuellen Entscheidung berücksichtigt werden.

Bei gleichzeitig bestehender Adipositas soll zunächst oder parallel das Übergewicht behandelt werden. Bei einem BMI über 40 kg/m² oder einem Taillen- zu Körpergröße-Verhältnis (Waist-to-Height-Ratio, WHtR) von mehr als 0,55 wird die Möglichkeit für eine Liposuktion besonders kritisch geprüft, ebenso bei Patientinnen unter 18 Jahren.

Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Liposuktion?

Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen sie gesetzlichen Krankenkassen die Kosten einer Liposuktion. Seit Oktober 2025 gilt dies unabhängig vom Stadium der Erkrankung. Voraussetzung ist unter anderem, dass 

  • über mindestens sechs Monate kontinuierlich konservativ behandelt wurde, 
  • die Behandlung ärztlich verordnet wurde und 
  • sich die Beschwerden trotzdem nicht besserten.

Außerdem dürfen Betroffen in den sechs Monaten vor der Empfehlung zur Operation kein Gewicht zugenommen haben. Bei einem BMI von 32 bis 35 kg/m² gelten zusätzliche Vorgaben für die Waist-to-Height-Ratio (WHtR). Dabei hängt der Grenzwert vom Alter ab: Bis zum Alter von 40 Jahren darf die WHtR höchstens 0,50 betragen, ab 50 Jahren höchstens 0,60. Für das Alter dazwischen gelten altersabhängige Grenzwerte. Die Voraussetzungen müssen ärztlich festgestellt und dokumentiert werden.

Liegt der BMI über 35, zahlt die gesetzliche Krankenkasse nicht. Stattdessen wird geraten, zunächst die Adipositas zu behandeln.

Hinweis: Die Kostenübernahme ist an die Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gebunden. Vor einer geplanten Operation muss deshalb geklärt werden, ob die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind und ob die Behandlung als Kassenleistung durchgeführt werden kann.

Quellen:

S2k-Leitlinie Lipödem, Version 5.0 vom 22.01.2024 (gültig bis 2029)

Vazirnia A e al. International Journal of Dermatology. 2026; 65 (9): 1811–1819. doi: 10.1111/ijd.70227

Podda M et al. Lancet 2026; 408: 910-923 

Gut geschützt gegen RSV

Respiratorische Synzytial-Viren, kurz RSV, sind eigentlich harmlose Erkältungsviren. Bei Säuglingen drohen bei einer Infektion aber schwere Verläufe. Was schützt besser: die Impfung oder die Gabe von Antikörpern?

Herbst + Winter = Erkältungszeit

Wenn die Temperaturen sinken und es draußen ungemütlich wird, haben Erkältungsviren Hochsaison. Das gilt nicht nur für Schnupfen und Grippe, sondern auch für RSV. Das Respiratorische Synzytial-Virus löst bei den meisten Menschen Erkältungen aus, die nicht von denen anderer Erreger zu unterschieden sind. Für Neugeborene und Säuglinge unter 6 Monaten ist RSV jedoch gefährlicher. In diesem Alter können die Viren tief in die Lunge vordringen und dort Lungenentzündungen auslösen. In schweren Fällen müssen betroffene Kinder oft ins Krankenhaus eingewiesen werden. Doch es gibt gute Möglichkeiten, einer RSV-Infektion vorzubeugen.

Antikörper fürs Baby

In Deutschland besteht der Standard zur RSV-Vorbeugung darin, dass die Neugeborenen über eine Spritze in den Muskel Antikörper gegen RSV erhalten. Das geschieht entweder vor der nächsten Virensaison (Oktober bis März) oder, wenn die Kinder in den betreffenden Monaten geboren werden, möglichst frühzeitig nach der Geburt. Oft wird das im Rahmen der U2-Untersuchung am 3.-10. Lebenstag erledigt. Die STIKO empfiehlt diese Vorgehensweise.

Oder besser Impfung für die Mutter?

Eine andere Möglichkeit ist die Impfung der Mutter in der 32. bis 37. Schwangerschaftswoche. Dann bildet die Mutter Antikörper, die über die Plazenta auf das Neugeborene übergehen. Das Kind ist so in den ersten 6 Lebensmonaten gegen RSV geschützt. Der Vorteil dabei ist, dass das Kind direkt von der Geburt an geschützt ist. Nachteilig ist, dass das Immunsystem der Mutter nicht immer gleich gut reagiert. Manchmal ist der der Schutz des Kindes dann stärker, manchmal schwächer. Außerdem gibt es weniger Studien als zur Impfung.

Entscheidung der werdenden Mutter

In Deutschland ist die RSV-Impfung für Schwangere eine Selbstzahlerleistung. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung. Am besten fragen sie vorher bei ihrer Krankenkasse nach. Hat die Mutter eine Impfung im entsprechenden Zeitraum erhalten, ist die Prophylaxe mit Antikörpern bei den meisten Kindern nicht mehr erforderlich. Ausnahmen sind Kinder mit besonderen Risikofaktoren für schwere RSV-Infektionen wie z. B. einer angeborenen Lungenerkrankung, einem schweren Herzfehler oder schweren Immundefekten.

Quellen:

Sturzgefahr im Alter

Fast jede vierte Person über 65 stürzt mindestens einmal im Jahr – mit manchmal schweren Folgen. Doch vielen Stürzen lässt sich vorbeugen. Was hilft?

Viele Ursachen

Mit zunehmendem Alter steigt nicht nur das Sturzrisiko, sondern wegen schwächerer Knochen oft auch die Verletzungsgefahr. So bricht der Oberschenkelhals bei Älteren deutlich häufiger und es drohen Immobilität und längere Krankenhausaufenthalte. Die Ursachen für einen Sturz sind vielfältig. Mit dem Alter lassen Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht nach, Beschwerden wie Schwindel oder Sehprobleme sind häufiger. Auch Arzneimittel können das Sturzrisiko erhöhen, allen voran Schlaf- oder Beruhigungsmittel. Dazu kommen Stolperfallen im Haushalt wie lose Teppiche.

Sturzsichere Wohnung

Die gute Nachricht: Viele Stürze lassen sich verhindern. Am wichtigsten ist dafür regelmäßiges Kraft- und Gleichgewichtstraining, auch noch im höheren Alter. Außerdem sollten Augen und Brille regelmäßig kontrolliert werden, um Stürze durch schlechtes Sehen zu vermeiden. Eine ausgewogene, kalziumreiche Ernährung und eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D stärken die Knochen. Im Zweifel kann der Vitamin-D-Spiegel in der Arztpraxis bestimmt werden. Dort oder in der Apotheke lassen sich auch die eingenommenen Medikamente überprüfen. Mittel, die beispielsweise Schwindel als Nebenwirkung haben, sollten kritisch hinterfragt werden. Und schließlich gehört die eigene Wohnung auf den Prüfstand: Ist sie sturzsicher? Kriterien sind unter anderem eine gute Beleuchtung, Handläufe an Treppen und keine losen Teppiche.

Info-Broschüren vom BIÖG

Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) möchte der Sturzgefahr im Alter entgegenwirken und bietet zwei Broschüren zum Thema „Gleichgewicht und Kraft“ an. Die „Einführung in die Sturzprävention“ zeigt allgemeinverständlich, wo im Alltag die Stolperfallen liegen. Sie gibt Praxistipps, wie sich der Alltag sturzsicher bewältigen lässt, und informiert über Hilfsmittel. Die zweite Broschüre „Praktische Übungen zur Sturzprävention“ widmet sich dem Training und bietet ein einfaches Programm mit Bildern und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Quelle: BIÖG

In Zukunft weniger Schwangerschaftsvorsorge?

Ab 2027 sollen Leistungen in Frauenarztpraxen anders vergütet werden. Ärzt*innen warnen, dass dann weniger Termine für Schwangere zur Verfügung stehen könnten. Die Krankenkassen widersprechen. Was steckt dahinter?

Vorsorge gedeckelt

Um die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung stabil zu halten, hat der Bundestag im Sommer ein Spargesetz beschlossen. Auch für Frauenarztpraxen ändert sich dadurch die Bezahlung. Grundsätzlich bekommt eine Praxis für jede Patientin ein fixes Budget pro Quartal. Manche Untersuchungen, darunter die Schwangerenvorsorge, wurden bisher zusätzlich vergütet. Dadurch wurde jede Vorsorge von der Krankenkasse bezahlt. Ab 2027 soll jedoch auch die Vorsorge in das gedeckelte Gesamtbudget einfließen. Praxen bekommen dann pro Quartal nur noch eine begrenzte Zahl dieser Leistungen voll bezahlt.

Weniger Termine befürchet

Die Gesamtvergütung für die Schwangerenvorsorge orientiert sich dann an dem Jahr 2025 – egal, wieviel Patientinnen in Zukunft tatsächlich eine Schwangerenvorsorge bekommen.  Ärztevertreter*innen sehen darin ein Problem. Denn wenn mehr Schwangere betreut werden müssen, bekommt die Praxis ab einer gewissen Zahl an Schwangeren die Vorsorge nicht mehr vollständig vergütet. Die Folge könnte sein, dass für Schwangere weniger Termine zur Verfügung stehen als notwendig. 

Krankenkassen: kein Sparplan

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen betont, dass das bisherige Budget für die Vorsorge komplett in die Gesamtbudgetierung überführt würde – es werde also nicht gespart. Außerdem werde die Gesamtvergütung jährlich erhöht. Eine Gefährdung der Schwangerenvorsorge sieht man bei den Krankenkassen daher nicht. Unter anderem auch deshalb, weil man nicht mit steigen Geburtenzahlen rechnet. 

Ausschuss entscheidet

Wie die Finanzierung am Ende tatsächlich erfolgt, entscheidet ein Bewertungsausschuss. In diesem sitzen Vertreter aus Ärzteschaft und Krankenkassen. Der Bundestag hat die Grundlage dafür geschaffen, dass die Vorsorge in das Gesamtbudget überführt wird. Für welche Leistungen das am Ende konkret gilt, entscheidet der Bewertungsausschuss. 

Quelle: Tagesschau 

Mit Zahnseide gegen Schlaganfall

Um Schlaganfällen vorzubeugen, kann man so einiges tun. Aufs Rauchen verzichten, Übergewicht vermeiden, die Zähne richtig putzen – und dabei regelmäßig Zahnseide verwenden.

Vom Zahnfleisch ins Blut

Das Risiko für einen Schlaganfall wird durch etliche Faktoren erhöht. Einer davon ist schlechte Mundhygiene: Sie führt dazu, dass Zahnbeläge entstehen, in denen sich gefährliche Bakterien einnisten. Diese verursachen nicht nur Karies. Gelangen sie über das Zahnfleisch ins Blut, können sie Entzündungen an den Gefäßen hervorrufen.

Solche Entzündungen begünstigen Gefäßverstopfungen und -verschlüsse, wodurch die Blutversorgung unterbrochen wird und das Gewebe abstirbt. Geschieht dies im Gehirn, handelt es sich um einen sogenannten „ischämischen“ Schlaganfall.

Gute Mundhygiene hilft dabei, Schlaganfällen vorzubeugen. Insbesondere Zahnseide scheint effektiv zu sein. Dies kam bei der Auswertung einer US-amerikanischen Arteriosklerosestudie heraus. Teilgenommen hatten daran mehr als 6000 Männer und Frauen, die zu Studienbeginn zwar Zahnprobleme, aber keinen Schlaganfall in ihrer Vorgeschichte hatten.

22 Prozent weniger Schlaganfälle

In der 25 Jahre dauernden Nachbeobachtungszeit erlitten 434 Personen einen Schlaganfall. Bei den Zahnseide-Verwender*innen war das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall um 22 Prozent niedriger als in der Gruppe ohne Zahnseide.

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass eine schlechte Mundhygiene mehr als Zähne kosten kann, schreiben die Studienautor*innen. Sie erhoffen sich von den Ergebnissen, dass mehr Menschen regelmäßig und effektiv Zähne und Zahnzwischenräume reinigen – und dabei Zahnseide verwenden.

Das allein reicht für eine Schlaganfallprophylaxe natürlich nicht aus. Mindestens ebenso wichtig ist es,

  • die Blutdruckwerte und die Cholesterinwerte im Blut zu kontrollieren,
  • ausreichend zu schlafen,
  • sich regelmäßig körperlich zu bewegen,
  • aufs Rauchen zu verzichten und
  • Übergewicht zu vermeiden.

Quelle: Medscape

Aktivkohle: Wunderwaffe bei Vergiftungen?

Aktivkohle gilt als Alleskönner bei Vergiftungen. Doch bei der Anwendung gibt es Einiges zu beachten.

Auf die Dosis kommt es an

Aktivkohle unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von Grillkohle. Doch unter dem Mikroskop betrachtet, zeigt sich: Aktivkohle ähnelt einem Schwamm. Durch diese Struktur kann die Aktivkohle andere Stoffe wie Arzneimittel oder Gifte binden.  

Diese Eigenschaft machen die Mediziner*innen bei Vergiftungen zunutze. Denn die Aktivkohle bindet verschluckte Gifte im Magen-Darm-Trakt und verhindert so deren Aufnahme. Gift und Kohle werden unverdaut wieder ausgeschieden. Eigene Behandlungsversuche mit Aktivkohle-Tabletten aus der Hautapotheke sind aber meist zum Scheitern verurteilt, da die Dosis der Tabletten viel zu gering ist. Zum Vergleich: Eine übliche Dosis bei Vergiftungen sind ungefähr 50 Gramm – also das 200-fache der Menge, die in einer Aktivkohle-Tablette enthalten ist.

Giftnotruf kontaktieren

Aktivkohle ist zudem nicht bei jeder Vergiftung das Mittel der Wahl. Alkohol oder Blausäure binden zum Beispiel nicht an die medizinische Kohle. Wer den Verdacht auf eine Vergiftung hat, sollte sich deshalb so schnell wie möglich an medizinischen Einrichtungen wenden oder in der Giftnotrufzentrale anrufen. Dort geben Expert*innen Empfehlungen für die richtige Therapie.

Quelle: Ärzteblatt

Kurzvideos: schlecht fürs Gedächtnis

Kurzvideoplattformen wie Tiktok und Co sind beliebt. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene verbringen oft täglich Stunden mit dem Betrachten der kurzen Clips. Doch was stellt die endlose Abfolge schneller Bilder mit Gehirn und Psyche an?

Nutzeroptimierung mit Folgen

Nur ein Clip und dann wieder weg vom Handy? Nur wenige Nutzenden von Kurzvideo-Plattformen schaffen das – und das ist kein Zufall. Denn durch Algorithmen werden die angebotenen Inhalte so angepasst, dass Nutzende möglichst lange auf der Plattform bleiben. Das funktioniert. Viele Nutzer*innen verbringen Stunden mit dem Betrachten der Inhalte. Die Clips wechseln dabei in schnellem Tempo und verlangen permanente Aufmerksamkeit. Zahlreiche Studien beschäftigen sich nun mit der Frage, welche Folgen das auf die geistige Leistung und die Psyche hat.

Besonders bedeutend ist das bei Kindern und Jugendlichen. Denn in diesem Alter entwickeln sich Eigenschaften wie Aufmerksamkeitsspanne, Konzentrationsvermögen und Selbstkontrolle.

Blick auf die Studienlage

Forschende der Uni Bayreuth haben sich nun 42 Studien näher angeschaut. Insgesamt nahmen an den Studien 46 912 Personen mit einem Durchschnittsalter von 16,8 Jahren teil. Dabei wurde „unstrukturierte“, also spontane Nutzung unterscheiden von „strukturierter Nutzung“. Strukturiert meint zum Beispiel, dass die Plattformen beim Pendeln genutzt wurden, oder als gemeinsame Aktivität bei Treffen mit Freund*innen. Und eine „intensive“ oder „übermäßige“ Nutzung wurde ab einem täglichen Gebrauch von 4 Stunden definiert.

Geringerer „Arbeitsspeicher“

Die Ergebnisse: Bei intensiver und unstrukturierter Nutzung zeigten sich in Tests leicht bis moderat schlechtere Leistungen in den Punkten Aufmerksamkeitsspanne, Konzentrationsvermögen und Gedächtnisleistung. Die Betroffenen waren etwas impulsiver und konnten ihr Verhalten schlechter regulieren. Dazu wurden höhere Werte für Angst und Depression beobachtet sowie Stress und ADHS-artige Symptome.

Einzelnen Studien zufolge ist exzessiver Konsum von Videoplattform-Inhalten sogar im Gehirn zu sehen. MRT-Untersuchungen zeigten Veränderungen im Anteil der grauen Gehirnmasse. Die Bedeutung dieser Beobachtung ist bis dato unklar.

Wissen schützt

Neben den negativen Folgen des Kurzvideo-Konsums wurden auch schützende Faktoren betrachtet. Die bloße Begrenzung der Bildschirmzeit ist keine dauerhafte Lösung. Besser wirken ein unterstützendes soziales Umfeld, Medienkompetenz und digitale Routinen, also die „strukturierte Nutzung“. Dabei sollte die digitale Mediennutzung  in der Familie besprochen werden. Geeignete Gesprächsinhalte sind: Warum werden bestimmte Inhalte ausgespielt, was ist das Ziel der Plattformbetreiber, wie verhindert man, im Dauerscrollen zu „versumpfen“ und wie geht man mit dem Gesehenen um? Denn ein strukturierter, kontrollierter Umgang ist der beste Schutz vor Dauergebrauch und seinen negativen Folgen.

Quellen: 

Kinder- und Jugendärzte im Netz

Springer- Medizin

Semaglutid jetzt als Tablette

Semaglutid zum Abnehmen gibt es jetzt auch als Tablette – eine Alternative für alle, die wegen der Spritze zögern. Wie die Pille wirkt, wer sie nehmen darf und worauf es bei der Einnahme ankommt.

Weniger Hunger, früher satt

Wer mit Adipositas oder Übergewicht zu kämpfen hat, kann Semaglutid zur Unterstützung der Gewichtsabnahme inzwischen auch als Tablette einnehmen. Das Präparat ist seit September 2026 auf dem deutschen Markt erhältlich. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten. Er ahmt ein körpereigenes Darmhormon nach, das unter anderem das Hunger- und Sättigungsgefühl beeinflusst. Dadurch kann es leichter fallen, weniger zu essen.

Die Tablette ist für Erwachsene mit Adipositas oder mit Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung vorgesehen. Dazu gehören beispielsweise Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die Behandlung wird mit einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr Bewegung kombiniert.

Einmal täglich statt einmal pro Woche

Die Tablette wird einmal täglich auf nüchternen Magen eingenommen – im Gegensatz zur Abnehmspritze, die einmal wöchentlich verabreicht wird. Nüchtern bedeutet, dass die Tablette nach mindestens acht Stunden ohne Nahrung mit Wasser geschluckt werden soll. Danach sollten mindestens 30 Minuten vergehen, bevor gegessen, getrunken oder ein anderes Medikament eingenommen wird. Nur so ist die vollständige Aufnahme des Wirkstoffs über die Magenschleimhaut gewährleistet.

Deutliche Gewichtsabnahme möglich

Semaglutid wirkt als Tablette offenbar ebenso gut wie als Spritze. Das zeigt zum Beispiel eine Studie mit 307 Erwachsenen. Durch Semaglutid als Tablette verloren die Teilnehmenden nach 64 Wochen durchschnittlich 13,6 Prozent ihres Körpergewichts. Unter Placebo waren es 2,2 Prozent. Rund drei Viertel der mit Semaglutid behandelten Personen nahmen mindestens 5 Prozent ihres Ausgangsgewichts ab.

Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen

Wie bei der Spritze können Nebenwirkungen auftreten. Am häufigsten kommt es dabei zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen. Meist werden die Beschwerden vor allem zu Beginn der Behandlung oder bei einer Dosiserhöhung beobachtet. Die Behandlungskosten mit Spritze oder Tablette liegen sehr nah beieinander. Für die Erhaltungsdosis muss man mit 250–300 Euro pro Monat rechnen (2026).

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Semaglutid nur bei Typ-2-Diabetes. Bei reiner Adipositas-Behandlung gilt Semaglutid als Lifestyle-Medikament. Das bedeutet, dass die Betroffenen das Medikament selbst bezahlen müssen.

Quelle: ptaheute

Schwangerschaft verändert die Augen

Unscharfes Sehen, trockene Augen oder plötzlich schlecht sitzende Kontaktlinsen: Eine Schwangerschaft kann auch die Augen verändern. Bestimmte Sehstörungen sollten werdende Mütter jernst nehmen und ärztlich abklären lassen.

Hormone beeinflussen den Tränenfilm

Eine Schwangerschaft verändert den Körper – und kann auch die Augen betreffen. Denn der Anstieg bestimmter Hormone im Blut beeinflusst unter anderem die Hornhaut, den Tränenfilm und den Wasserhaushalt. Östrogene und Progesteron verändern z. B. die Zusammensetzung und die Stabilität des Tränenfilms. Dadurch kommt es zu trockenen, brennenden oder geröteten Augen. Diese Beschwerden gehören zu den häufigsten Problemen in der Schwangerschaft. Studien zufolge klagen 40 bis 70 Prozent der werdenden Mütter darüber. Oft reichen zur Behandlung konservierungsmittelfreie Augentropfen sowie Wärme und eine sanfte Lidmassage aus. Nach der Geburt bessern sich die Beschwerden meist wieder.

Kontaktlinsen werden zum Störfaktor

Kontaktlinsen werden während der Schwangerschaft oft schlechter vertragen. Ursachen sind unter anderem der veränderte Tränenfilm und stärkere Ablagerungen auf der Linsenoberfläche. Schwangere müssen aber nicht generell auf Kontaktlinsen verzichten. Aber die Augenoberfläche kann empfindlicher reagieren. Bei Fremdkörpergefühl, Rötung oder trockenen Augen hilft es meist, die Tragezeit zu verkürzen, Tageslinsen zu verwenden oder vorübergehend eine Brille zu tragen.

Mit der neuen Brille besser warten 

In der Schwangerschaft wird in den Geweben mehr Wasser eingelagert. Das gilt auch für die Augen: Dort können Wassereinlagerungen Dicke und Krümmung der Hornhaut verändern. In der Folge verschiebt sich die Brechkraft vorübergehend, häufig in Richtung einer leichten Kurzsichtigkeit. Eine neue Brille oder Kontaktlinsen sollten jedoch möglichst nicht während der Schwangerschaft angepasst werden. Die endgültige Sehstärke lässt sich besser einige Zeit nach der Geburt beziehungsweise nach dem Abstillen beurteilen.

Sehstörungen abklären lassen

Auch geschwollene Lider oder dunklere Haut um die Augen können auftreten. Leichte, beidseitige Schwellungen sind meist harmlos. Plötzliche, einseitige oder schmerzhafte Schwellungen sollten dagegen ärztlich abgeklärt werden. Besonders wichtig sind neue oder ungewohnte Sehstörungen: Bei Flimmern, Doppelbildern, Gesichtsfeldausfällen oder plötzlich verschwommenem Sehen sollten Schwangere rasch eine Ärzt*in aufsuchen. Diese Symptome können unter anderem mit einer Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“) zusammenhängen. Bei plötzlich herabhängendem Oberlid ist eine neurologische Abklärung erforderlich.

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Vitamin D senkt Krebssterberate

Vitamin D schützt nicht nur vor Osteoporose. Es verhindert auch Krebstodesfälle. Wieviele das bei einer Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D wären, hat das Deutsche Krebsforschungszentrum vorgerechnet.

Krebssterberate um 13 % gesenkt

Große Studien konnten zeigen, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten die Sterberaten an Krebs um etwa 13 % senkt. Der Effekt zeigt sich zum Beispiel in Ländern, die ihre Lebensmittel mit Vitamin D anreichern. Anhand der Daten von 34 europäischen Ländern haben Wissenschaftler*innen vom Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ nun errechnet, wie sich eine generelle Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D auswirkt.

Die Forscher*innen kamen zu dem Ergebnis: In den Ländern, in denen dies erlaubt ist, werden pro Jahr 27.000 Krebstodesfälle vermieden. Würden alle 34 Länder Lebensmittel mit ausreichend Vitamin D versehen, ließen sich pro Jahr sogar 130.000 krebsbedingte Todesfälle verhindern, rechnen die Wissenschaftler*innen vom DKFZ vor.

Anreicherung in Deutschland nur mit Ausnahmegenehmigung

Nach EU-Recht ist die Zugabe von Vitamin D zu Lebensmitteln (z. B. Joghurt oder Streichfett) seit 2006 erlaubt. In Deutschland findet man nur relativ wenige angereicherte Produkte in den Regalen der Supermärkte. Das liegt daran, dass die D-Anreicherung hier grundsätzlich verboten ist – es sei denn, die Produkte haben eine Ausnahmegenehmigung (oder der Hersteller setzt sich darüber aufgrund des EU-Rechts hinweg).

Um die Vorteile einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung zu genießen, braucht es zum Glück keine angereicherten Lebensmittel. Ein großer Teil des Vitamin D wird durch Einfluss von Sonnenlicht in der Haut gebildet. Dafür genügt es, Hände, Arme und Gesicht zwei bis dreimal die Woche für etwa zwölf Minuten ungeschützt der Sonne auszusetzen. 10 bis 20% der nötigen Menge wird bei normaler Mischkost über die Nahrung aufgenommen (Eier, Speisepilze, Innereien, fetter Seefisch).

Beim Mangel helfen Supplemente

Im Winter hingegen gelingt es vielen Menschen nicht, ihren Vitamin-D-Bedarf zu decken. Auch alte Menschen und Personen, die selten im Freien sind oder sich einseitig ernähren, haben häufig einen Vitamin-D-Mangel. In diesem Fall helfen Nahrungsergänzungsmittel. Präparate mit Tagesdosen zwischen 10 bis 25 Mikrogramm sind apothekenpflichtig, solche mit einer Tagesdosis sogar verschreibungspflichtig. Wieviel man Vitamin D man einnehmen sollte, bespricht man aber sowieso am besten mit der Hausärzt*in. Denn Überdosierungen sind gefährlich, sie können zu Herzrhythmusstörungen oder Nierensteinen führen.

Quellen: DKFZ, RKI, SWR

Befreiung von der Rezeptgebühr

Für Patient*innen mit häufigen Verschreibungen bedeuten die jährlichen Rezeptgebühren eine erhebliche finanzielle Belastung. Abhilfe verspricht eine Zuzahlungsbefreiung von der Krankenkasse. Doch welche Voraussetzungen sind für eine Befreiung notwendig?

Grenze für Zuzahlung erreicht?

Egal ob Medikamente, Hilfsmittel oder Krankenhausaufenthalte: Bei vielen medizinischen Leistungen müssen die Patient*innen einen kleinen Teil der Kosten aus eigener Tasche bezahlen. Wie hoch der Betrag ist, richtet sich nach dem jährlichen Brutto-Haushaltseinkommen. Um die Haushalte nicht zu sehr zu belasten, hat der Gesetzgeber eine Höchstgrenze für den jährlichen Eigenanteil eines Haushalts festgelegt. Diese Grenze ist aktuell bei 2%. Chronisch Kranke müssen sogar lediglich 1% der jährlichen Kosten übernehmen.

Ist die Belastungsgrenze überschritten, befreit die Krankenkasse die Patient*innen von alles Zuzahlungen für den Rest des Jahres. Doch Vorsicht: Für die Befreiung muss die Patient*in einen Antrag bei der Krankenkasse einreichen und alle entstandenen Kosten nachweisen. Am besten bewahren die Patient*innen deshalb den Beleg nach dem Einkauf in der Apotheke auf. Dabei ist wichtig, dass alle Belege den korrekten und vollständigen Namen des Versicherten enthalten. Bei Bedarf legen viele Apotheken für Stammkund*innen auch ein Kundenkonto an, über das problemlos alle geleisteten Zahlungen abrufbar sind.

Befreiung im Voraus

Viele chronisch kranke Menschen wissen schon zu Jahresbeginn, dass die Zuzahlungen des kommenden Jahres die Belastungsgrenze überschreiten. In diesem Fall ist eine Befreiung im Voraus sinnvoll. Mit dem Zuzahlungsrechner lässt sich die individuelle Belastungsrechner für das kommende Jahr ganz einfach selbst berechnen.

Quelle: ABDA, Bundeministerium für Gesundheit, Apothekerkammer Niedersachsen

Statine zur Vorbeugung

Statine senken den Cholesterinspiegel und beugen so Herzinfarkten und Schlaganfällen vor. Viele Menschen nehmen sie über Jahre ein. Doch macht die Einnahme auch im höheren Alter immer Sinn?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen

Gründe für die Einnahme von Statinen gibt es viele. Bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, sollen sie ein erneutes Ereignis verhindern. Bei anderen sollen sie einer ersten Herz-Kreislauf-Erkrankung vorbeugen – etwa, wenn erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck oder Diabetes vorliegen. Fachleute sprechen dann von Primärprävention.

Lieber absetzen?

Prinzipiell ist die Wirkung von Statinen gut belegt – vor allem, wenn sie längerfristig eingenommen werden. Bei älteren Menschen ist der Einnahmezeitraum oft kürzer. Ob bei ihnen eine rein vorbeugende Einnahme etwas bringt, ist deshalb unklar. Gleichzeitig nehmen ältere Menschen oft viele Medikamente ein, was das Risiko für Nebenwirkungen und Wechselwirkungen erhöht. Ein Forschungsteam aus Bordeaux ist daher der Frage nachgegangen: Können über 75-Jährige ihr Statin absetzen, ohne dass es ihnen schadet?

Drei Jahre beobachtet

An der Studie nahmen über 1.000 Patient*innen teil. Alle waren mindestens 75 Jahre alt, hatten noch nie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und nahmen seit mindestens einem Jahr ein Statin zur Vorbeugung ein. Per Zufall wurden sie in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe nahm das Statin weiter ein, die andere setzte es ab. Anschließend wurden alle drei Jahre lang beobachtet.

Kein Schutz bei Älteren

Nach Studienende zeigte sich: In beiden Gruppen traten Herz-Kreislauferkrankungen und Todesfälle in etwa gleich häufig auf. Bei über 75-Jährigen hatten Statine zur Primärprävention also keine Schutzwirkung. Die Forschenden konnten allerdings auch keine Vorteile durch das Absetzen feststellen. Die Lebensqualität war in beiden Gruppen gleich, auch in Hinsicht auf Nebenwirkungen zeigten sich keine Unterschiede. Die Autor*innen der Studie weisen deshalb darauf hin, dass aus der Studie keine grundsätzliche Aussage für das Für und Wider von Statinen im Alter geschlossen werden könne. Stattdessen sei eine Entscheidung für oder gegen das Medikament immer eine Abwägung im Einzelfall. 

Quelle: Deutsches Ärzteblatt


Erkältungssäfte sicher anwenden

Pseudoephedrin ist hilfreich bei Erkältungen, kann aber bei falscher Anwendung Vergiftungen verursachen. Eine Auswertung deutscher Giftinformationszentren zeigt: Besonders häufig betroffen sind Kinder unter sechs Jahren.

Erkältungsmittel mit Risiko

Eine verstopfte Nase, dazu vielleicht Kopfschmerzen oder Fieber: Kombinationspräparate mit Pseudoephedrin versprechen schnelle Hilfe bei Erkältungen. Denn der Wirkstoff lässt die Schleimhäute in Nase und Nebenhöhlen abschwellen und wirkt zugleich anregend. Pseudoephedrin gibt es in Form von Säften, Tropfen oder Kapseln.

Doch Pseudoephedrin ist nicht harmlos. Falsch angewendet kann es zu Vergiftungen kommen. Eine aktuelle Auswertung von Fällen aus deutschen Giftinformationszentren zeigt, dass insbesondere kleine Kinder davon betroffen sind. 521 Vergiftungsfälle analysiert Für die Studie werteten Forschende 521 dokumentierte Vergiftungsfälle aus, die zwischen 2004 und 2024 bei den Giftinformationszentren in Erfurt, Göttingen und München registriert worden waren. Die Zahl der gemeldeten Fälle nahm in allen drei Zentren über die Jahre zu – mit einem Rückgang während der Corona-Pandemie und einem erneuten Anstieg danach.

Die Beschwerden nach einer Vergiftung sind unterschiedlich. Am häufigsten wurden Schwindel, Benommenheit, Kribbeln, Herzrasen, Blutdruckveränderungen, Übelkeit und Erbrechen dokumentiert. Schwere Verläufe waren selten, in einzelnen Fällen war es zu akutem Nierenversagen oder sogar zum Versagen mehrerer Organe gekommen.

Vor allem Kleinkinder betroffen

Besonders auffällig: 216 der 521 Betroffenen waren zwischen einem und unter sechs Jahre alt. Damit entfiel mehr als jeder dritte dokumentierte Fall auf diese Altersgruppe. Säuglinge unter einem Jahr waren mit zwölf Fällen deutlich seltener vertreten. In München, wo zusätzlich die Gründe für die Einnahme dokumentiert waren, handelte es sich in fast drei Viertel der Fälle um Unfälle im häuslichen Umfeld. Kinder hatten dabei z. B. pseudoephedrinhaltigen Erkältungssaft irrtümlich probiert. Weitere Fälle betrafen unter anderem Suizidversuche, unerwünschte Arzneimittelwirkungen oder missbräuchliche Einnahme.

Dosierung beachten und Präparat gut verstauen

Eltern sollten besser über das Erkältungsmittel aufgeklärt werden, fordern die Autor*innen. Für Kinder unter 6 Jahren sind viele Präparate nicht zugelassen oder nicht empfohlen. Manche Präparate sind für ältere Kinder und Jugendliche erlaubt. Hier ist es wichtig, sich an die im Beipackzettel angegebenen Dosierungen zu halten.

Prinzipiell müssen pseudoephedrinhaltige Medikamente sicher aufbewahrt werden. Das gilt insbesondere für Säfte, die für kleine Kinder aufgrund ihrer Farbe oft anziehend wirken. Bei einer versehentlichen Einnahme ist es ratsam, die Hausärzt*in oder ein Giftinformationszentrum zu kontaktieren. Treten schwere Symptome auf, sollte der Rettungsdienst verständigt werden.

Quelle: ptaheute

Lange Essenspausen bei Älteren

Intervallfasten gilt als gesund – doch für ältere Menschen könnte das anders aussehen. Eine schwedische Studie zeigt: Wer besonders lange Essenspausen machte, entwickelte über die Jahre schneller chronische Erkrankungen.

Fast 3000 Personen beobachtet

Intervallfasten soll nicht nur beim Abnehmen helfen. Längere Pausen zwischen den Mahlzeiten werden auch mit gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht. Ob dies auch für ältere Menschen gilt, untersuchten schwedische Forschende in einer Studie.

Dafür werteten sie die Daten von 2981 Menschen ab 60 Jahren aus. Die Teilnehmenden wurden über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren beobachtet. Entscheidend war dabei nicht, ob sie bewusst fasteten. Erfasst wurde vielmehr die längste Zeitspanne zwischen zwei Essensgelegenheiten innerhalb eines Tages. Die kürzeste Fastenpause dauerte 6 bis 11,5 Stunden, die längste 14 bis 24 Stunden.

Über 78-Jährige besonders betroffen

Das Ergebnis: Menschen mit den längsten Essenspausen entwickelten im Verlauf der Studie häufiger eine oder mehrere chronische Erkrankungen. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei den über 78-Jährigen. Bei ihnen nahm die Zahl der chronischen Erkrankungen mit längeren Fastenzeiten besonders schnell zu. Insbesondere kam es in der Gruppe mit 14 bis 24 Stunden Fasten vermehrt zu Herz-Kreislauf- sowie neuropsychiatrischen Erkrankungen. Für Erkrankungen des Bewegungsapparats zeigte sich dagegen kein klarer Zusammenhang.

Nährstoffe werden schlechter aufgenommen

Warum lange Essenspausen im höheren Alter ungünstig sein könnten, ist nicht geklärt. Die Autor*innen vermuten unter anderem, dass ältere Menschen Nährstoffe schlechter aufnehmen. Durch lange Essenspausen wird dann die ausreichende Versorgung mit Energie zusätzlich erschwert. Zudem könnten längere Pausen die regelmäßige Zufuhr von Protein und damit den Erhalt der Muskelmasse beeinträchtigen.

Die Studie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis dafür, dass langes Fasten Krankheiten verursacht. Es bleibt möglich, dass bereits bestehende gesundheitliche Probleme das Essverhalten beeinflusst hatten. Die Ergebnisse sprechen den Forschenden zufolge dennoch dafür, lange Fastenzeiten bei älteren Menschen nicht automatisch als gesund anzusehen.

Expert*innen empfehlen für alte Menschen in der Regel über den Tag verteilt meist drei Hauptmahlzeiten mit kleinen Zwischenmahlzeiten.

Quellen: Springer Medizin, S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter