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Darmbakterien als Gesundheitshelfer

Ob für eine gesunde Verdauung, zur Unterstützung des Immunsystems oder als Begleiter beim Abnehmen: Probiotika werden für unterschiedliche Ziele angeboten. Die Auswahl in Apotheken, Drogerien und im Internet ist groß. Lesen Sie, was die kleinen Helfer leisten können und worauf es bei der Anwendung ankommt.

Was sind Probiotika?

Die gute Nachricht lautet: Probiotika sind keineswegs wirkungslos. Für einige Beschwerden konnten wissenschaftliche Studien tatsächlich einen Nutzen nachweisen. Allerdings gilt das längst nicht für alle Produkte und nicht für jede Erkrankung. Entscheidend ist außerdem, welche Bakterienstämme enthalten sind. Denn Probiotikum ist nicht gleich Probiotikum. Wer sich etwas auskennt, kann Enttäuschungen vermeiden und seine Darmgesundheit gezielt unterstützen.

Die Darmflora – heute meist Mikrobiom genannt – besteht aus Milliarden von Bakterien, die wichtige Aufgaben übernehmen. Sie helfen bei der Verdauung, bilden bestimmte Vitamine, beeinflussen das Immunsystem und schützen den Darm vor krankmachenden Keimen. Ist dieses empfindliche Gleichgewicht gestört, können Verdauungsprobleme entstehen. Deshalb hoffen viele Menschen, mit Probiotika ihre Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen – meist Milchsäurebakterien oder Hefen. Sie werden als Kapseln, Pulver, Tropfen oder Trinklösungen angeboten. Nach der Einnahme gelangen sie in den Darm und sollen dort das Gleichgewicht der Darmflora unterstützen.

Hinweis: Ein gesundes Mikrobiom besteht aus vielen unterschiedlichen Bakterienarten. Es lässt sich jedoch nicht einfach durch die Einnahme beliebiger Probiotika dauerhaft verändern.

Probiotika-Effekte unter der Lupe

Wer sich über Probiotika informiert, stößt häufig auf widersprüchliche Aussagen. Das liegt unter anderem daran, dass in den Studien ganz unterschiedliche Bakterienstämme untersucht werden. Selbst eng verwandte Stämme können völlig unterschiedliche Wirkungen haben.

Hinzu kommt, dass jeder Mensch ein individuelles Mikrobiom besitzt. Ernährung, Alter, Medikamente, Vorerkrankungen und genetische Faktoren beeinflussen, wie gut sich zugeführte Bakterien überhaupt im Darm ansiedeln können. Manche verschwinden bereits nach kurzer Zeit wieder. Deshalb lässt sich das Ergebnis einer Studie nicht ohne Weiteres auf alle Probiotika oder alle Menschen übertragen.

Für diese Einsatzgebiete sieht der Wissenstand folgendermaßen aus:

  • Nach einer Antibiotikatherapie: Antibiotika bekämpfen krankmachende Bakterien. Gleichzeitig können sie aber auch nützliche Darmbakterien schädigen. Die Folgen sind bei manchen Menschen Durchfälle, Blähungen oder Bauchschmerzen. Für einige Probiotika konnte gezeigt werden, dass sie das Risiko für antibiotikabedingte Durchfälle verringern können. Sie ersetzen die Antibiotikatherapie selbstverständlich nicht, können sie aber unter Umständen sinnvoll begleiten. Empfohlen für die Behandlung werden nur bestimmte spezifische Stämme. Ob ein Probiotikum im Einzelfall geeignet ist und wann es eingenommen werden sollte, lässt sich in der Apotheke oder Arztpraxis besprechen. Wichtig dabei: Zwischen Antibiotikum und bakteriellem Probiotikum (z. B. Laktobazillen oder Bifidobakterien) sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei bis drei Stunden liegen. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Antibiotikum die nützlichen Bakterien sofort wieder zerstört.
  • Hilfe bei Reisedurchfall: Auch zur Vorbeugung eines Reisedurchfalls wurden verschiedene Probiotika untersucht. Einige Studien zeigen einen kleinen Schutzeffekt. Noch wichtiger sind also die klassischen Hygieneregeln auf Reisen: sauberes Trinkwasser, gründlich gegarte Speisen und sorgfältige Händehygiene.
  • Reizdarm: Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden häufig unter Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung – Letztere häufig auch im Wechsel. Manche Probiotika können diese Beschwerden lindern. Allerdings profitieren nicht alle Betroffenen gleichermaßen. Auch hier kommt es auf den verwendeten Bakterienstamm an. Während ein Präparat bei Blähungen hilfreich sein kann, zeigt ein anderes möglicherweise keinen Effekt. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften, Probiotika gezielt auszuwählen und nach einigen Wochen zu überprüfen, ob sich die Beschwerden tatsächlich bessern. Verbessern sich die Beschwerden nach etwa vier bis acht Wochen nicht, sollte das Präparat wieder abgesetzt werden.
  • Colitis ulcerosa: Bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa können ausgewählte Probiotika helfen, Beschwerden zu lindern oder eine beschwerdefreie Phase zu stabilisieren. Die Standardtherapie ersetzen sie jedoch nicht. Deshalb dürfen sie nur zusätzlich zur ärztlich verordneten Behandlung eingesetzt werden. Betroffene sollten Probiotika jedoch nur nach Rücksprache mit ihrer behandelnden Ärzt*in verwenden.
  • Unterstützung bei Helicobacter pylori: Der Magenkeim Helicobacter pylori wird mit einer Kombination mehrerer Antibiotika behandelt. Diese Therapie kann Nebenwirkungen wie Durchfall verursachen. Einige Probiotika können solche Beschwerden abschwächen. Außerdem gibt es Hinweise, dass manche Patient*innen die Behandlung dadurch besser vertragen und konsequenter durchführen.

Wo Probiotika eher nicht helfen

Werbung und soziale Medien vermitteln oft den Eindruck, Probiotika könnten nahezu jedes Gesundheitsproblem positiv beeinflussen. Tatsächlich werden sie unter anderem bei Allergien, Übergewicht, Diabetes, Depressionen, Demenz oder sogar Krebs angeboten. Für diese Anwendungsgebiete gibt es bislang jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Zwar zeigen einzelne Studien oder Tierversuche gelegentlich positive Ergebnisse. In hochwertigen Untersuchungen am Menschen konnten diese Effekte aber meist nicht eindeutig bestätigt werden.

Nicht jeder verträgt Probiotika

Die meisten gesunden Menschen vertragen Probiotika gut. Vor allem zu Beginn der Einnahme können allerdings Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfe oder Veränderungen des Stuhlgangs auftreten. Diese Beschwerden verschwinden meist nach einigen Tagen wieder. Bleiben sie bestehen oder verschlimmern sie sich, sollte das Präparat abgesetzt und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Für Menschen mit einem gesunden Immunsystem gelten Probiotika überwiegend als sicher. Es gibt jedoch Ausnahmen. Nicht empfohlen werden sie unter anderem für Personen mit einer stark geschwächten Immunabwehr, etwa nach Organtransplantationen oder während bestimmter Krebstherapien. Auch schwer kranke Patient*innen auf Intensivstationen sollten Probiotika nur nach ärztlicher Entscheidung erhalten. Bei Frühgeborenen sowie Neugeborenen und Säuglingen sollten Probiotika ebenfalls nur nach ausdrücklicher ärztlicher Empfehlung eingesetzt werden.

Hinweis: Sie leiden an einer schweren Grunderkrankung oder nehmen Medikamente ein, die das Immunsystem unterdrücken? Dann ziehen Sie vor der Einnahme von Probiotika immer Ihre Ärzt*in zu Rate!

Das Mikrobiom natürlich stärken

Wer seine Darmflora langfristig unterstützen möchte, sollte auch seinen Lebensstil verändern. Eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung liefert den Darmbakterien genau die Nährstoffe, die sie benötigen. Besonders günstig wirken sich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen aus. Sie enthalten Ballaststoffe, die den nützlichen Darmbakterien als Nahrung dienen.

Ebenso wichtig ist es, stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerreiche Getränke und große Mengen rotes Fleisch nur in Maßen zu verzehren. Diese Lebensmittelgruppen schaden der Darmflora auf unterschiedliche Weise, indem sie entweder „schlechte“ Bakterien fördern oder die Darmschleimhaut direkt angreifen. Zucker dient beispielsweise als ideales Nährmedium für potenziell schädliche Bakterien und Hefepilze wie Candida albicans. Diese verdrängen die nützlichen Bakterien und können Entzündungsreaktionen im Darm auslösen. Zusatzstoffe und Emulgatoren können wiederum die Darmwände direkt beeinträchtigen.

Doch nicht nur die Ernährung beeinflusst das Mikrobiom. Regelmäßige Bewegung steigert die Artenvielfalt der Darmbakterien und unterstützt das Wachstum gesunder Arten. Schon tägliche Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen können sich positiv auswirken. Gleichzeitig sinkt dadurch das Risiko für zahlreiche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes. Auch ausreichend Schlaf und ein guter Umgang mit Stress scheinen eine wichtige Rolle für Darm und Immunsystem zu spielen. Studien haben gezeigt, dass Schlafentzug das Verhältnis der Darmbakterien zugunsten ungesunder Arten verschiebt.

Tipp: Fachleute empfehlen häufig eine mediterrane Ernährungsweise. Sie enthält reichlich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Olivenöl und Fisch. Studien zeigen, dass diese Ernährung die Vielfalt der Darmbakterien fördern kann. Gleichzeitig wirkt sie sich günstig auf Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Körpergewicht aus.

Die richtige Auswahl bei Probiotika

Wer sich ausgewogen ernährt, regelmäßig bewegt und Antibiotika nur dann einnimmt, wenn sie medizinisch notwendig sind, schafft bereits gute Voraussetzungen für eine gesunde Darmflora. Kommt es dennoch zu bestimmten Beschwerden – etwa nach einer Antibiotikatherapie oder bei einem Reizdarmsyndrom –, können ausgewählte Probiotika sinnvoll sein. Das Angebot ist allerdings groß und für Laien oft schwer zu überblicken.

Viele Verbraucher*innen achten vor allem auf die Anzahl der enthaltenen Bakterien. Tatsächlich sagt diese Zahl allein jedoch wenig über die Wirksamkeit aus. Entscheidend ist vielmehr, welche Bakterienstämme enthalten sind, ob genau diese Stämme wissenschaftlich untersucht wurden und ob sie in ausreichender Menge und lebend den Darm erreichen. Deshalb lohnt sich eine Beratung bei der Ärzt*in oder in der Apotheke. Dort kann gezielt nach einem Präparat gesucht werden, dessen Nutzen für die jeweilige Beschwerde untersucht wurde. Zudem erfahren Sie, wie das Präparat eingenommen werden soll und ob es bei der Aufbewahrung gekühlt werden muss.

Hinweis: Lassen Sie sich nicht von vermeintlicher „Qualität“ täuschen. Ein höherer Preis bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirksamkeit.

Arztbesuch statt Probiotika

Länger anhaltende oder starke Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden, bevor Sie versuchen, diese eigenständig mit Probiotika zu behandeln. Probiotika sind zwar in der Regel gut verträglich, können jedoch bei schweren zugrundeliegenden Erkrankungen die Symptome maskieren oder die Diagnose erschweren. Das gilt insbesondere bei folgenden Warnsignalen:

Durchfall über mehrere Tage: Hält ein Durchfall länger als drei Tage an, besteht die Gefahr des Austrocknens und eines Elektrolytverlusts. Zudem könnte eine Infektion vorliegen, die eine gezielte medikamentöse Therapie erfordert, die über die Gabe von „guten Bakterien“ hinausgeht.

Blut im Stuhl: Sichtbares Blut (rot oder schwarz-teerig) ist ein ernstzunehmendes Warnzeichen für Verletzungen der Darmschleimhaut, Entzündungen (wie Colitis ulcerosa) oder Veränderungen durch Polypen. Hier ist eine ärztliche Abklärung zwingend notwendig.

Starke Bauchschmerzen: Plötzliche, heftige oder anhaltende Schmerzen können auf akute chirurgische Notfälle (z. B. Blinddarmentzündung, Ileus) oder schwere Entzündungen hinweisen.

Hohes Fieber: Fieber über 38,5 °C in Kombination mit Verdauungsproblemen deutet meist auf eine Infektion hin, die den gesamten Körper betrifft und ärztlich überwacht werden muss.

Ungewollter Gewichtsverlust: Wenn Sie ohne Diät oder sportliche Aktivität an Gewicht verlieren, kann dies ein Hinweis auf chronische Entzündungen, Malabsorption (Nährstoffaufnahmestörung) oder Tumorerkrankungen sein.

Wiederkehrende Verdauungsbeschwerden: Treten Blähbauch, Durchfall oder Verstopfung immer wieder auf, könnte eine chronische Ursache wie ein Reizdarmsyndrom, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit (z. B. Zöliakie, Laktoseintoleranz) oder eine Dysbiose vorliegen. Dann ist eine spezifische Diagnostik nötig. Beschwerden nach Auslandsreisen: Nach Fernreisen können spezielle Erreger (z. B. Amöben, Lamblien oder multiresistente Bakterien) die Ursache für Darmbeschwerden sein. Auch wenn Sie unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden oder Ihr Immunsystem geschwächt ist, sollten Sie Probiotika nicht ohne ärztliche Rücksprache einnehmen.

Quellen: Leitlinie zur Allergieprävention, Update S3-Leitlinie zum Reizdarmsyndrom, Witte F, „Wem oder wogegen helfen Probiotika?“,Ärztezeitung 2026

Jedes Nikotinprodukt ist ungesund

Nikotin gibt es in verschiedensten Formen: Von der klassischen Zigarette über E-Zigaretten bis zum Nikotinbeutel. Doch keine Form ist harmlos. 

Verschiedene Formen untersucht

Das Zigaretten ungesund sind, ist bekannt. Weniger klar ist, ob das auch für Alternativprodukte wie E-Zigaretten oder Nikotinbeutel gilt. Forschende der Universität Mainz haben dies nun untersucht. Dazu hat die Forschungsgruppe Studien zu Zigaretten, Wasserpfeifen, E-Zigaretten, Tabakerhitzern und oralen Nikotinprodukten ausgewertet. Diese Studien umfassen Grundlagenstudien zur Giftigkeit der Produkte, Tierversuche und Studien mit menschlichen Patienten. Untersucht wurde, wie sich die verschiedenen Produkte auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken. 

Schädlich sind alle

Die Forschenden haben herausgefunden, dass sämtliche Nikotinprodukte schädlich sind und das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen. Am gefährlichsten waren Produkte, in denen Tabak verbrennt: Zigaretten und Wasserpfeifen. Diese schädigen daneben nicht nur die Rauchenden, sondern auch die Umgebung, denn bereits beim Passivrauchen steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen an. Bereits etwas weniger schädlich waren Produkte, die Tabak erhitzen. Die geringsten Schäden verursachten E-Zigaretten sowie Nikotinbeutel und Kautabak. Doch gesund sind auch diese nicht. 

Gefäße geschädigt

Bei klassischen Zigaretten gelangt das Nikotin durch den Rauch über die Lunge in den Körper. Doch auch bei Kautabak und aus Beuteln wird das Nikotin in den Körper aufgenommen, und zwar durch die Schleimhäute im Mund. Bei allen Produkten gelangt also Nikotin aus dem Tabak in die Blutbahn. Dort greift es die Blutgefäße an. Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, plötzlicher Herztod und Herzversagen sind mögliche Folgen. Dass auch neuere Produkte wie E-Zigaretten die Blutgefäße schädigen, konnten die Forschenden bestätigen. Wie groß die Langzeitschäden sind, ist wegen fehlender Studien allerdings nach wie vor unklar. 

Quelle: Ärzteblatt 

Soziale Medien für Kinder verbieten!

Soziale Medien machen Kindern und Jugendlichen zunehmend Probleme, warnt ein Kinder- und Jugendarzt. Er fordert deshalb ein Social-Media-Verbot bis 14 Jahre – doch Verbote allein reichen seiner Ansicht nach nicht aus.

Kinder psychisch stark belastet

Corona ist vorbei, die psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen sind es offenbar nicht. Nach Einschätzung des Kinder- und Jugendpsychiaters Jakob Maske sind die Fallzahlen nach dem starken Anstieg während der Corona-Maßnahmen auf einem hohen Niveau geblieben. Als einen Grund nennt er die große Verunsicherung durch Kriege, Krisen und Konflikte. Auch die steigenden Kosten infolge des Iran-Krieges könnten jungen Menschen Angst machen.

Freie Meinung kaum noch möglich

Besonders kritisch sieht der Experte auch die Nutzung von Social Media und digitalen Geräten. In seiner Praxis beobachte er, dass die Probleme mit der Bildschirmnutzung zunehmen. Dass Social Media gerade junge Menschen krank und dumm macht, ist längst erwiesen, betont er. Kinder könnten sich der Beeinflussung durch soziale Plattformen kaum entziehen, Jugendlichen falle es zunehmend schwer, sich eine freie Meinung zu bilden. Auch Fälle von risikobehafteter Bildschirmnutzung nähmen zu – immer mehr junge Leute nutzen also die Medien so stark, dass es ihrer Gesundheit schadet.

Dabei sieht der Arzt auch die Eltern in der Verantwortung. Sie sollten Grenzen setzen, selbst mit gutem Beispiel vorangehen und sich dafür interessieren, was ihre Kinder auf Smartphone, Tablet oder anderen Geräten anschauen. Das geschehe seiner Erfahrung nach allerdings zu selten. Besonders bei kleinen Kindern beobachte er einen Trend, Geräte einzusetzen, damit sie ruhig sind. Seine Forderung lautet deshalb: „bildschirmfrei bis drei“.

Gesetzgeber und Eltern in der Pflicht

Was dagegen helfen könnte? Der Experte hält Aufklärung für wichtig. Jugendlichen müsse vermittelt werden, welche Folgen eine sehr intensive Smartphone- und Social-Media-Nutzung haben kann. Gleichzeitig fordert er strengere Regeln für die Betreiber der Plattformen. Ein Social-Media-Verbot bis zum Alter von 14 Jahren könne aus seiner Sicht ein Baustein sein – allein reiche es aber nicht aus, da Jugendliche solche Verbote umgehen könnten.

Für Eltern bleibt damit vor allem eine Aufgabe: Sie sollten die Mediennutzung ihrer Kinder begleiten, klare Grenzen setzen und selbst Vorbild sein. Denn nach Einschätzung des Experten geht es dabei nicht nur um den Umgang mit Smartphones, sondern um die Zukunft von Kindern und Jugendlichen.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung

Gehtraining ist Nr. 1 bei pAVK

Bei der „Schaufensterkrankheit“ kann Bewegung die Gehfähigkeit deutlich verbessern. Auch wenn die Beine beim Laufen schmerzen, ist gezieltes Training wichtig. Doch es kommt darauf an, richtig zu trainieren – und Warnzeichen ernst zu nehmen.

Beinschmerzen durch gestörte Durchblutung

Wer beim Gehen immer wieder Schmerzen in den Waden oder Beinen bekommt und deshalb stehen bleiben muss, könnte an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) leiden. Umgangssprachlich wird sie auch „Schaufensterkrankheit“ genannt. Bei einer pAVK sind die Arterien verengt oder verschlossen, sodass die Beinmuskeln beim Gehen nicht ausreichend mit Blut versorgt werden. Dann fehlt den Muskeln der nötige Sauerstoff – und es entstehen Schmerzen.

Doch gerade dann ist Bewegung wichtig, betonen Fachleute. In der neuen pAVK-Leitlinie wurde bei belastungsabhängigen Beschwerden das strukturierte Gefäßtraining stark aufgewertet. Es soll zunächst über drei bis sechs Monate durchgeführt werden, daneben werden Risikofaktoren und Begleiterkrankungen behandelt.

Bis zum erträglichen Schmerz laufen

Das Besondere am Gehtraining: Es soll nicht beendet werden, sobald die ersten Beschwerden auftreten. Wichtig ist, dass die Betroffenen bis zu einem für sie erträglichen Schmerz weitergehen. Denn durch diese Belastung können sich sogenannte Kollateralen bilden. Das sind zusätzliche kleine Blutgefäße, die die Funktion eines verschlossenen Gefäßes teilweise übernehmen können.

Am effektivsten ist ein angeleitetes Gehtraining in einer Gefäßsportgruppe. Optimal sind drei Trainingseinheiten pro Woche mit jeweils etwa 30 Minuten. Möglich ist auch eine längere Einheit von etwa 60 Minuten pro Woche. Dabei geht es nicht ausschließlich ums Laufen: Auch Koordinations-, Kraft- und Beweglichkeitsübungen gehören dazu.

Zuhause trainieren geht auch

Wer keine Gefäßsportgruppe in der Nähe findet, kann auch in Eigenregie trainieren. Wichtig ist dabei, konkrete Ziele festzulegen und die Fortschritte regelmäßig zu überprüfen. Schon nach ein bis zwei Wochen können erste Verbesserungen spürbar sein. Eine einfache Möglichkeit ist, eine alltägliche Strecke – etwa zum Bäcker – als persönliche Messstrecke zu nutzen und zu beobachten, wie häufig man unterwegs stehen bleiben muss.

Auch Radfahren, Krafttraining der Beine oder Nordic Walking können die Bewegung ergänzen. Welche Sportart geeignet ist, hängt allerdings unter anderem davon ab, wo genau die Gefäße verengt sind.

Wenn Schmerz ein Warnzeichen ist

Nicht jeder Schmerz sollte „wegtrainiert“ werden. Treten Schmerzen bereits in Ruhe auf oder entstehen offene Wunden an den Füßen oder Beinen, kann dies auf ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium hinweisen. Dann kann weiteres Training schaden und es ist eine rasche ärztliche Abklärung erforderlich.

Quelle: Ärztezeitung

Tabuthema Harninkontinenz

Viele Frauen im mittleren und höheren Alter leiden unter unkontrolliertem Urinverlust, doch kaum eine spricht mit ihrer Ärztin über das Thema. Möglichkeiten zu Vorbeugung und Behandlung der Inkontinenz zeigt der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) auf.

Jede dritte ältere Frau betroffen – und kaum eine redet darüber

Zum Thema Harninkontinenz veröffentlichte das Robert Koch-Institut zusammen mit dem Statistischen Bundesamt einen Gesundheitsbericht mit alarmierenden Zahlen: Mehr als jede 10. Frau im Alter zwischen 40 und 49 Jahren leidet unter unfreiwilligem Urinverlust, zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr ist jede 4. Frau betroffen und über 80 Jahren jede 3.

„Mehr als die Hälfte der Frauen, die inkontinent sind, hat jedoch noch nie darüber mit ihrem Frauenarzt gesprochen,“ betont Christian Albring, Präsident des BVF. „Häufig finden sich gerade bei älteren Damen chronische Harnwegsinfektionen, die mit einem Antibiotikum, gegebenenfalls unterstützt durch eine lokale Hormonbehandlung, sehr gut behandelt werden können. Oder es findet sich eine Schwäche des Beckenbodens, die einer ärztlichen Behandlung zugänglich ist.“

Vorbeugen ist die beste Medizin

Einfache Maßnahmen wie Muskeltraining oder eine Physiotherapie reichen oft schon aus, die Beschwerden zu lindern. Positiv auf einen funktionierenden Verschluss der Harnröhre wirkt sich auch eine Gewichtsreduktion aus. Denn ein schwerer Bauch drückt auf die Blase - ist die bereits geschwächt, kommt es zur Inkontinenz. Wer seinen Beckenboden kräftigen will, setzt am besten auf Sport. Besonders nach einer Schwangerschaft ist die Beckenbodengymnastik wichtig, denn bei einer Geburt leiden die Muskeln besonders.

Das weibliche Sexualhormon Östrogen regeneriert die Schleimhautschichten von Vagina und Harnröhre. Sinkt der Hormonspiegel, wird die Schleimhaut der Harnröhre dünner. Albring erläutert: „Deshalb kann es passieren, dass die Harnröhre nicht mehr […] dicht abschließt". In diesem Fall hilft oft eine örtliche Behandlung mit einer Hormoncreme. Inkontinenzhöschen sieht der Frauenarzt als eine der letzten Möglichkeiten. Doch auch mit Einlagen ist ein normales Leben möglich. Moderne Einlagen absorbieren Flüssigkeit und Gerüche zuverlässig. Viele Frauen können sich die teure Produkte jedoch nicht dauerhaft leisten. Auch in diesem Fall lohnt sich ein Gespräch mit der Frauenärzt*in: Sie kann die Produkte auf einem Heilmittelrezept verordnen. 

Quelle: BVF 2024, BVF 2026

Hilft Johanniskraut bei Depressionen?

Pflanzliche Wirkstoffe sind nicht zu unterschätzen – in einigen Fällen können sie durchaus mit ihren chemischen Verwandten mithalten. So zeigen zum Beispiel Studien mit Johanniskraut, dass der Pflanzenextrakt in einigen Fällen ähnlich gut wie synthetische Antidepressiva hilft.

Bei leichten und mittelschweren Depressionen

Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, deren Behandlung unbedingt in fachliche Hände gehört. Viele Patient*innen profitieren dann von einer Psychotherapie in Kombination mit Antidepressiva. Auch die Natur hat gegen Depressionen etwas zu bieten: nämlich die Extrakte aus dem Johanniskraut. Eine große Überblicksstudie zeigt, dass die Präparate bei leichten und mittelschweren Depressionen ähnlich gut helfen wie chemische Antidepressiva.

Mehr als ein Placebo-Effekt

In der Überblicksarbeit fassten die Forscher*innen die Ergebnisse mehrerer kleineren Studien zusammen, so dass sie die Ergebnisse von insgesamt über 6000 Teilnehmenden auswerten konnten. Alle Studien hatten eine gute Qualität. Sie waren zum Beispiel placebo-kontrolliert: Eine Gruppe erhielt also Johanniskraut, die andere nur ein Placebo, also ein Präparat ohne Wirkstoff. So lässt sich ausschließen, dass der Effekt nur auf die positive Erwartungshaltung der Proband*innen zurückzuführen ist.

Gut verträgliche Alternative

In der Wirkung schnitt das Johanniskraut nicht nur deutlich besser ab als das Placebo, sondern auch ähnlich gut wie synthetische Antidepressiva. Nachgewiesen wurde der Effekt für acht Wochen, danach endeten die Studien. Studien für schwere Depressionen gibt es allerdings nicht, hier ist keine Aussage über die Wirkung möglich.
Ein Vorteil von Johanniskraut gegenüber synthetischen Präparaten könnte die bessere Verträglichkeit sein. Dennoch kann es auch hier zu Nebenwirkungen kommen, etwa zu Übelkeit oder Kopfschmerzen. Unter Johanniskraut sollte man zudem die Sonne meiden, weil es sonst schnell zu sonnenbrand-ähnlichen Hautirritationen kommt.

Wechselwirkung mit anderen Medikamenten abklären

Die Einnahme von Johanniskraut sollte man immer mit der Apotheker*in oder Ärzt*in absprechen. In vielen Fällen verändert Johanniskraut nämlich die Wirkung gleichzeitig eingenommener Medikamente. So lässt etwa der Verhütungsschutz der Antibaby-Pille nach. Außerdem darf man Johanniskraut nicht mit anderen Antidepressiva kombinieren, weil sich die Nebenwirkungen dann meist verstärken.

Quelle: www.medizin-transparent.at

Verhütung im Urlaub

Urlaub geht oft mit warmen Temperaturen und Zeitverschiebungen einher. Was bedeutet das für die Verhütung?

Veränderter Rhytmus

Wer verreist, hat oft einen anderen Tagesablauf als zu Hause. Längere Abende und Schlafmangel durch Flüge oder Zeitverschiebung bringen den gewohnten Rhythmus durcheinander. Auch die Ernährung ändert sich häufig durch landestypische Gerichte. Und nicht wenige fahren zum Urlaub in den Süden, wo höhere Temperaturen herrschen als in der Heimat.

Verhütung planen

Durch diese Veränderungen kann die Verhütung komplizierter werden – vor allem bei der Pille. Das hat unterschiedliche Gründe:

  • Andere Einnahmezeiten: Vor allem bei größerer Zeitverschiebung und anderen Tagesabläufen muss die Einnahmezeit der Pille angepasst werden. Frauen sollten daher vorher der Reise prüfen, welche Einnahmeabstände bei ihrer jeweiligen Pille erlaubt sind. Diese Information stehen in der Packungsbeilage. Ein neuer Einnahmeplan hilft, die veränderten Zeiten auch einzuhalten. 
  • Ernährung: Nicht immer kommt der Körper mit den ungewohnten Nahrungsmitteln klar. Wer mit der Pille verhütet, muss bei Durchfall und Erbrechen aufpassen. Denn die Pille kann dadurch die Wirkung verlieren. Das gilt vor allem bei Durchfall, der länger anhält – oder wenn wenige Stunden nach der Einnahme der Pille erbrochen wurde.
  • Lagerung: Bei Hitze über 30 Grad oder durch direkte Sonnenstrahlung können Pillen und auch Kondome ihre Wirkung verlieren. Diese Temperaturen sind vor allem im Auto schnell erreicht. Pille und Kondom sollte daher nicht länger als unbedingt notwendig im Auto aufbewahrt werden, sondern am besten an einem kühleren, lichtgeschützten Ort. Für Kondome gilt zusätzlich, dass diese vor Beschädigungen geschützt werden müssen. 

Basaltemperatur verändert

Auch bei natürlichen Verhütungsmethoden wie der symptothermalen Methode gibt es im Urlaub einiges zu beachten. Neben veränderten Messzeiten beeinflussen weitere Faktoren die Messung und Auswertung. So kann sich die Basaltemperatur durch kurzen oder gestörten Schlaf ändern, aber auch durch Alkoholkonsum, Stress oder Klimawechsel. Wenn sich das fruchtbare Zeitfenster nicht mehr richtig bestimmen lässt, sollten Frauen ohne Kinderwunsch zusätzlich mit anderen Methoden wie einem Kondom verhüten. 

Quelle: Frauenärzte im Netz

Reflux ohne Medikamente eindämmen

Sodbrennen und saures Aufstoßen sind typische Beschwerden bei Reflux. Protonenpumpenhemmer können dagegen helfen. Doch auch im Alltag lässt sich einiges dagegen tun – von Gewichtsreduktion bis zur richtigen Schlafposition.

Wenn Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt

Bei Reflux fließt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Ein gelegentlicher Rückfluss ist durchaus normal. Treten Beschwerden wie Sodbrennen oder saures Aufstoßen regelmäßig auf, kann eine gastroösophageale Refluxkrankheit vorliegen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Barriere zwischen Magen und Speiseröhre, zu der auch der untere Speiseröhrenschließmuskel und das Zwerchfell gehören.

Zur Behandlung werden häufig Protonenpumpenhemmer eingesetzt, die die Produktion der Magensäure reduzieren. Doch auch Maßnahmen ohne Medikamente können die Beschwerden lindern: 

  • Übergewicht reduzieren: Bei Übergewicht bessert oft schon eine Gewichtsabnahme den Reflux. Dabei geht es nicht nur um weniger Druck im Bauchraum. Fettgewebe ist auch stoffwechselaktiv und kann entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen, die die Refluxbarriere beeinflussen.
  • Alkohol und Tabak meiden: Alkohol kann den Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre schwächen und dadurch den Rückfluss von Mageninhalt begünstigen. Zudem reizt er die Schleimhaut der Speiseröhre. Rauchen beeinträchtigt zusätzlich die Selbstreinigung der Speiseröhre. Wer unter Reflux leidet, sollte deshalb auf Alkohol und Rauchen verzichten. 
  • Mineralwasser trinken: Als Getränk eignet sich stilles Mineral- oder Heilwasser. In einer Studie erwies sich ein bikarbonatreiches Heilwasser bei häufigem Sodbrennen sogar als günstiger als herkömmliches kohlensäurefreies Mineralwasser: Wer von den Teilnehmenden bikarbonathaltiges Wasser trank, brauchte seltener Bedarfsmedikamente gegen Sodbrennen. 
  • Späte Mahlzeiten vermeiden: Wer nachts unter Reflux leidet, sollte möglichst nicht kurz vor dem Schlafengehen essen. Denn im Liegen kann der Mageninhalt leichter in die Speiseröhre zurückfließen – besonders wenn der Magen noch gut gefüllt ist. 
  • Schlafposition verändern: Bei nächtlichen Beschwerden hilft es, das Kopfende des Bettes zu erhöhen. Auch die Linksseitenlage kann den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre reduzieren. Manchen Betroffenen helfen bei der Verbesserung ihrer Schlafposition auch spezielle Schlafpositions-Apps für die Smartwatch. 
  • Bauchatmung trainieren: Das Zwerchfell ist Teil der natürlichen Refluxbarriere. Atemübungen mit einer Umstellung von Brust- auf Bauchatmung können Beschwerden reduzieren und möglicherweise auch den Bedarf an Protonenpumpenhemmern senken. Auch Singen könnte durch das Training der Atemmuskulatur einen günstigen Effekt haben. So litten in einer Studie Menschen, die viel sangen, seltener unter Refluxbeschwerden als Nicht-Singende. 
  • Auslöser meiden. Manche Betroffene machen die Erfahrung, dass bestimmte Lebensmittel ihr Sodbrennen fördern. Diese Auslöser sollte man deshalb vom Speiseplan streichen. Es ist aber nicht belegt, dass ein genereller Verzicht auf Kaffee, Schokolade, scharfe Speisen oder Zitrusfrüchte gegen Reflux hilft.

Wann sollte man mit Sodbrennen zum Arzt?

Manchmal lässt sich das Sodbrennen mit den genannten Maßnahmen nicht lindern oder es tritt häufig und anhaltend auf. Dann ist es ratsam, dies ärztlich abklären zu lassen. Gleiches gilt, wenn Schluckbeschwerden, ungewollter Gewichtsverlust, wiederholtesErbrechen oder Blut im Erbrochenen dazu kommen. In diesen Fällen muss nach der Ursache gesucht und diese behandelt werden.

Quelle: Ärztezeitung

Wimpernserum mit Kehrseite

Wimpernseren können Wimpern sprießen lassen. Doch die Sache hat einen Haken: Einige Produkte sind zwar besonders wirksam, lösen aber erhebliche Nebenwirkungen aus. Wer seine Wimpern aufpäppeln möchte, sollte über die Risiken Bescheid wissen – zumal es auch sanftere Alternativen gibt.

Wimpernseren mit vielen Wirkstoffen

Dichte, lange Wimpern gelten für viele als Schönheitsideal. Kein Wunder, dass Wimpernseren beliebt sind. Die Produkte enthalten unterschiedliche Inhaltsstoffe, darunter Vitamine wie E und B, Koffein, Öle sowie Prostaglandine. Letztere können das Wimpernwachstum besonders deutlich fördern.

Prostaglandine werden in der Medizin als Wirkstoffe gegen den erhöhten Augeninnendruck bei einem Glaukom eingesetzt. Die Nebenwirkungen, die dabei drohen, sind auch beim kosmetischen Einsatz von Prostaglandinen in Wimpernseren möglich: So kann es zu gereizten, geröteten Augen kommen. Zudem kann sich die Haut um die Augen herum stärker färben und dadurch dunkler wirken.

Prostaglandine führen zu Verfärbungen

Besonders auffällig ist eine mögliche Veränderung der Iris, also der Regenbogenhaut. Durch die verstärkte Einlagerung von Melanin kann sich deren Farbe verdunkeln. Eine solche Veränderung ist manchmal dauerhaft, d.h. die Verfärbung verschwindet auch nach dem Absetzen des Serums nicht wieder.

Bei längerer Anwendung kann außerdem das Fettgewebe um die Augen abnehmen, wodurch die Augen tiefer liegend wirken können. Veränderungen der Wimpern selbst sind ebenfalls möglich: Sie können ihre Wuchsrichtung wechseln oder lockiger werden.

Werdende Mütter und Stillende sollten zudem generell auf prostaglandinhaltige Wimpernseren verzichten. Denn die Sicherheit dieser Wirkstoffe ist in Schwangerschaft und Stillzeit nicht ausreichend geklärt. So könnten die Prostaglandine Auswirkungen auf die Gebärmutter haben und dadurch das ungeborene Kind schädigen.

Im Zweifel in der Apotheke fragen

Bei kosmetischen Produkten lohnt sich daher ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe. Als Hinweis dienen Bezeichnungen mit der Vorsilbe „Prosta-“. Allerdings sind die Angaben bei Kosmetika nicht immer so umfassend wie bei Arzneimitteln. Wer unsicher ist, ob ein Wimpernserum Prostaglandin-ähnliche Wirkstoffe enthält oder für die eigene Situation geeignet ist, kann sich dazu in der Apotheke beraten lassen.

Erdnussöl pflegt Wimpern auch

Wimpern lassen sich aber auch auf einfache Weise pflegen. Rizinus- oder Erdnussöl gelten als bewährte Hausmittel und reizen das Auge nicht. Am besten trägt man das Öl mit einem Q-Tip auf. Weil das Öl etwas ins Auge kriecht und man danach verschwommen sieht, empfehlen Expert*innen die Anwendung vor dem Zu-Bett-Gehen. Wichtig ist dabei Geduld: Eine Wimper befindet sich etwa einen Monat in der Wachstumsphase und bleibt anschließend noch ungefähr drei Monate bestehen. Für einen möglichen Effekt ist deshalb eine tägliche Anwendung über längere Zeit erforderlich.

Quelle: Ärztezeitung

K2 gegen Wadenkrämpfe

Nächtliche Wadenkrämpfe sind schmerzhaft und können die Nachtruhe erheblich stören. Womöglich lassen sich die Beschwerden mit Vitamin K2 lindern.

Täglich 180 Mikrogramm Vitamin K2

Gegen nächtliche Wadenkrämpfe gibt es bisher noch keine Therapie, die sowohl effektiv als auch verträglich ist. So konnte für die gern empfohlenen Magnesiumpräparate in Studien noch keine Wirksamkeit belegt werden. Chinin dämmt Wadenkrämpfe zwar ein, kann dabei allerdings Nebenwirkungen wie Tinnitus, Schwindel oder sogar Blutbildveränderungen auslösen. Doch jetzt gibt es Hoffnung für Betroffene: Einer chinesischen Studie zufolge soll Vitamin K2 nächtliche Wadenkrämpfe lindern.

Knapp 200 Menschen in einem Alter von über 65 Jahren hatten an der Untersuchung teilgenommen. Die Hälfte nahm gegen ihre nächtlichen Wadenkrämpfe über acht Wochen hinweg täglich eine Kapsel mit 180 Mikrogramm Vitamin K2. Die übrigen bekamen gleich aussehende Kapseln mit Placebo.

Deutlich seltener Krämpfe

Im Durchschnitt hatten die Teilnehmenden 2,6 (Vitamin-K-Gruppe) bzw. 2,7 nächtliche Wadenkrämpfe pro Woche. Unter der Einnahme von Vitamin K2 reduzierte sich die Anzahl der Krämpfe auf 0,96 pro Woche. In der Placebogruppe stieg die durchschnittliche Zahl der wöchentlichen Krampfanfälle sogar auf 3,6/Woche leicht an.

Doch nicht nur die Häufigkeit der Wadenkrämpfe wurde durch Vitamin K2 verringert. Auch ihre Intensität und ihre jeweilige Dauer gingen unter Vitamin K2 stärker zurück als unter Placebo. Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen nicht aufgetreten.

Vor Einnahme Rücksprache halten

Vitamin K2 ist eine Form von Vitamin K und unterstützt den Knochenaufbau und die Blutgerinnung. Natürlich kommt es vor allem in tierischen Produkten wie Eiern und Fleisch vor. Es gibt Vitamin K2 aber auch als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tropfen, Tabletten oder Kapseln.

Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten jedoch vor der Einnahme mit ihrer Ärzt*in Rücksprache halten. Das gilt insbesondere für Patient*innen, die blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen – denn Vitamin K2 kann deren Wirkung hemmen.

Quelle: Ärzteblatt

Schlaganfall sofort erkennen

Bei einem Schlaganfall muss sofort der Notdienst gerufen werden, um das Gehirn der Betroffenen vor schlimmen Folgen zu bewahren. Doch wie erkennt man als Laie überhaupt solch einen Notfall?

Hirngewebe vorm Absterben retten

Ob durch ein verstopftes Gefäß oder eine Massenblutung: Beim Schlaganfall setzt die Durchblutung von Bereichen des Gehirns plötzlich aus und Hirngewebe stirbt ab. Je länger es dauert, den Blutfluss wieder in Gang zu bekommen, desto größer ist der bleibende Schaden. Er reicht von Lähmungen über Sprachstörungen bis hin zum Tod. Wird aber frühzeitig gehandelt, erholt sich das Gehirn oft komplett. Deshalb muss bei einem Verdacht auf einen Schlaganfall sofort der Notdienst alarmiert werden.

Kurzer Test zeigt die Gefahr

Laien sind sich manchmal unsicher, wie sie einen Schlaganfall erkennen können. Das ist verständlich, denn manchmal kommt diese tückische Durchblutungsstörung auch relativ diskret daher. Mit dem FAST-Test lassen sich auf einfache Weise die häufigsten Schlaganfall-Symptome abfragen. Diese betreffen das Gesicht (face), die Arme (arms) und die Sprache (speech):

  • Face: Die betroffene Person wird gebeten, zu lächeln. Hängt dabei ein Mundwinkel herab, spricht das für eine beim Schlaganfall typische Halbseitenlähmung.
  • Arms: Die Person soll ihre Arme nach vorne strecken und die Handflächen nach oben drehen. Bei einer Lähmung gelingt dies nicht, ein Arm sinkt oder dreht sich.
  • Speech: Die Betroffene soll einen einfachen Satz nachsprechen. Ist das nicht möglich oder klingt die Sprache verwaschen, liegt das wahrscheinlich an einer schlaganfallbedingten Sprachstörung.
  • Time: Wenn auch nur eines dieser Anzeichen zutrifft, sollte sofort die 112 angerufen und der Notfall geschildert werden.

Der FAST-Test kann auch im Internet angeschaut werden. Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft wurde ein Video erstellt, das den Test erklärt und vor allem jüngere Leute ansprechen soll. Das Video heißt „Lächeln-Sprechen-Arme hoch“.

Quelle: ptaheute

Asthma durch Katzenkontakt?

Asthma kann durch Allergene wie Pollen ausgelöst werden. Doch wie ist es mit Katzenhaaren?

Anfallsartige Atemnot

Asthma ist eine häufige Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Dabei verengen sich die kleinen Atemwege, die Bronchien. Die Folge sind Kurzatmigkeit und anfallsartige Atemnot. Die Ursachen sind vielfältig, grundsätzlich gibt es nicht-allergisches und allergisches Asthma. Beim allergischen Asthma wird der Auslöser des Asthmas mit der Luft eingeatmet. Als Auslöser gelten zum Beispiel Tabakrauch oder Pollen. 

30.000 Kinder untersucht

Ob Tierhaare Asthma-Anfälle auslösen, ist allerdings umstritten. Forschende aus Schweden wollten den Einfluss von Tieren nun genauer wissen. Dazu haben sie in einer Studie mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche untersucht, die Allergie und Asthma hatten. Ziel der Studie war herauszufinden, ob Katzenhaare das bestehende Asthma verschlimmern. Dabei half den Forschenden auch, dass in Schweden neugeborene Hauskatzen registriert werden müssen und Gesundheitsdaten für die Forschung gut verfügbar sind. 

Kein Unterschied zwischen Haushalten

Im Ergebnis fanden die Forschenden keinen Unterschied zwischen Katzenhaushalten und Familien ohne Katzen. In beiden Fällen trat mittelschweres bis schweres Asthma etwa gleich häufig auf. Das gleicht galt auch für das Auftreten von Asthma-Anfällen. Das Katzen damit keinen Einfluss auf Asthma haben, ist damit allerdings noch nicht erwiesen. Da Katzen sehr verbreitet sind, kann es auch sein, dass die Kinder und Jugendlichen auch außerhalb des eigenen Heims in Kontakt mit Katzenallergenen kommen. Gegen eine Katze in der eigenen Wohnung scheint aber für Asthmatiker nun nichts mehr zu sprechen.

Quelle: Kinderärzte im Netz 

Wie sinnvoll ist der Cortisol-Detox?

Müdigkeit, Gewichtszunahme und Konzentrationsprobleme – etliche Influencer*innen behaupten in den sozialen Medien, dass daran ein „zu hoher Cortisolspiegel“ schuld ist. Empfohlen wird dann meist eine Cortisol-Entgiftung. Das ist allerdings nicht nur medizinisch sinnlos. Manche der propagierten Methoden können sogar gefährlich werden.

Cortisol unter Verdacht

Auf TikTok und anderen Plattformen kommt Cortisol derzeit nicht gut weg. Ein Überschuss des Hormons soll für zahlreiche Gesundheitsprobleme verantwortlich sein, darunter ständige Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Haarausfall und Gewichtzunahme. Um zu testen, wie hoch der Cortisolspiegel im Blut ist, werden oft frei verkäufliche Cortisoltests angepriesen. Auch Empfehlungen zur Cortisol-Entgiftung (Cortisol-Detox) kursieren im Internet. Sie reichen von Spaziergängen bis zu extremen Fasten.

Cortisol ist kein Gift

Mediziner*innen sehen diese Trends kritisch. Cortisol ist kein Gift, sondern ein lebenswichtiges Hormon, das in viele Stoffwechselvorgänge eingreift. So wird es beispielsweise in Stresssituationen vermehrt ausgeschüttet. Dann kann es zu Schlafstörungen, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen kommen. In den allermeisten Fällen stecken hinter solchen Beschwerden allerdings andere Ursachen.

Ein in den sozialen Medien genanntes Symptom ist das „Cortisol Face“, mit dem ein rundliches Gesicht bezeichnet wird. Tatsächlich kann sich bei einem Cortisolüberschuss ein rundes Gesicht entwickeln – etwa beim Cushing-Syndrom. Das Cushing-Syndrom kommt bei bestimmten seltenen Tumoren vor. Auch eine längerfristige Behandlung mit hoch dosiertem Kortison kann die Fettverteilung am Körper und im Gesicht verändern. Eine „normale“ Gewichtszunahme bedeutet dagegen nicht automatisch, dass zu viel Cortisol produziert wird.

Selbsttests sind unzuverlässig

Zudem sind die angepriesenen Selbsttest nicht sinnvoll, sagen Expert*innen. Cortisol lässt sich nur mit speziellen Methoden zuverlässig nachweisen. Außerdem unterliegen die Cortisolspiegel im Blut tageszeitlichen Schwankungen. Die frei verkäuflichen Tests liefern daher unzuverlässige Ergebnisse und können die Anwendenden unnötig verunsichern.

Von Yoga bis Schlafentzug

Manche Influencer*innen empfehlen Maßnahmen, um vermeintlich hohe Cortisolspiegel zu senken. Handelt es sich dabei um Yoga und Spaziergänge, ist dagegen nichts einzuwenden. Auch das regelmäßige Trinken von Wasser ist, solange es nicht übermäßig geschieht, für die meisten Menschen gesundheitsfördernd. Mit dem Senken des Cortisolspiegels haben sie wenig zu tun.

Vor extremen Fasten, exzessiven Schlafentzug oder hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln warnen Fachleute dagegen. Diese Maßnahmen können dem Köper schaden.

Im Zweifel in die Arztpraxis

Wer unter den genannten Beschwerden leidet oder befürchtet, zu hohe Cortisolspiegel zu haben, sollte besser eine Ärzt*in aufsuchen. Dort kann zuverlässig festgestellt werden, ob es eine Störung im Cortisolhaushalt gibt. Liegen tatsächlich erhöhte Cortisolspiegel vor, werden die Ursachen gesucht und entsprechend behandelt. Bei cortisolproduzierenden Tumoren erfolgt z. B. meist eine Operation. Ist eine Kortisontherapie die Ursache, passt man die Medikamentendosis an.

Quelle: ptaheute

Vitamin-K-Prophylaxe für Babys

Die Vitamin-K-Gabe nach der Geburt schützt Babys vor Gehirnblutungen. Wie wichtig diese Prophylaxe ist, unterstreicht eine schwedische Untersuchung.

Babys haben zu wenig Vitamin K

Vitamin K ist nötig für die Blutgerinnung. Ein Mangel kann Blutungen begünstigen, darunter auch schwere Blutungen im Gehirn. Aufgenommen wird das Vitamin vor allem durch grünes Gemüse, Eigelb, Käse oder Leber. Bei normaler Mischkost kommt es selten zu einem Vitaminmangel.

Bei Neugeborenen sieht das anders aus. Das Vitamin geht in der Schwangerschaft begrenzt vom mütterlichen Blut ins Blut des Kindes über. Deshalb haben Babys bei der Geburt nur wenig Reserven. Zudem enthält auch die Muttermilch nur geringe Mengen an Vitamin K. Deshalb gibt es seit Jahrzehnten die Vitamin-K-Prophylaxe: In Deutschland bekommen Neugeborene drei Mal im Verlauf der ersten Lebenswochen das Vitamin als Tropfen verabreicht, in anderen Ländern wird es intramuskulär gespritzt.

Gefahr für Hirnblutungen drei Mal höher

Welche Auswirkungen eine nicht durchgeführte Prophylaxe hat, wurde in Schweden untersucht. Darin analysierten Forschende die Daten von mehr als zwei Millionen Kindern. Der Anteil der Babys, die keine Vitamin-K-Prophylaxe erhalten hatten, stieg von 1,32 Prozent im Jahr 2003 auf 1,5 Prozent im Jahr 2021 an.

Das spiegelte sich in der Zahl der Blutungen in den ersten sechs Lebensmonaten: 2003 waren 0,22 Prozent der Kinder davon betroffen, 2021 0,53 Prozent. Die Forschenden errechneten: Ohne die Vitamin-K-Gabe steigerte sich das generelle Risiko für Blutungen um 50%, die Gefahr für Gehirnblutungen verdreifachte sich sogar.

Eltern besser aufklären 

Warum die Kinder keine Vitamin-K-Prophylaxe erhalten hatten, war aus den Daten nicht zu erkennen. Da es dafür kaum medizinische Gründe gibt, liegt die wahrscheinlichste Ursache in der Weigerung der Eltern, schreiben die Forschenden. Deshalb sei Aufklärung wichtig. Eltern, die die Vitamin-K-Prophylaxe ablehnen, sollten die gefährlichen Folgen kennen.

Quelle: SpringerMedizin

Morgens oder abends schlucken?

Lange hieß es, Blutdrucksenker sollten morgens eingenommen werden. Dann wurde wieder zur abendlichen Einnahme geraten. Was stimmt denn nun?

Weniger Schlaganfälle durch abendliche Blutdrucksenkung

2019 machte eine spanische Studie zur Blutdrucksenkung Furore. 19.000 Hochdruckpatient*innen hatten daran teilgenommen. Die eine Hälfte nahm ihren Blutdrucksenker abends, die anderen morgens ein. In den sechs Jahren der Studie hatten diejenigen, die ihre blutdrucksenkende Medikation vor dem Zu-Bett-Gehen schluckten, ein deutlich verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herztod. Grund genug, Hypertoniker*innen die abendliche Tabletteneinnahme zu empfehlen.

Zweifel am Studienaufbau

Doch schon damals gab es Zweifel an der gefeierten Studie. Expert*innen kritisierten beispielsweise den Studienaufbau. Außerdem waren die Blutdruckunterschiede in den beiden Einnahmegruppen eigentlich zu gering, um die deutlichen Unterschiede bei der Anzahl der Herzerkrankungen zu erklären. Britische Forscher*innen starteten deshalb eine Untersuchung mit rund 21.000 Hochdruckkranken, von denen ebenfalls die eine Hälfte ihre Blutdrucksenker morgens, die andere abends einnahm.

In beiden Gruppen erwies sich die Anzahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinfarkt oder Schlaganfall als gleich. Auch die Zahl der gefäßbedingten Todesfälle unterschied sich nicht. Ob morgendliche oder abendliche Einnahme der Blutdrucktabletten, in puncto Herzgesundheit war keine Einnahmezeit besser als die andere, betonen die Autor*innen.

Tageszeit egal – Hauptsache einnehmen

Die eigentliche Botschaft dieser Studie ist einfach: Patient*innen sollen ihre Blutdrucksenker zwar immer zum selben Zeitpunkt nehmen – ob aber nun morgens oder abends, spielt keine Rolle. Das wichtigste ist, dass die Tabletten überhaupt eingenommen werden.

Denn weil ein hoher Blutdruck nicht schmerzt, lässt jede zweite Blutdruckpatient*in nach zwei Jahren die Blutdrucksenker wieder weg. Und bringt damit unwissentlich Herz, Niere und Gehirn in Gefahr.

Quelle: Ärztezeitung, The Lancet

Hitze lässt schneller altern

Die Zeit der Rente an der Sonne verbringen? Einigen erscheint der Gedanke verlockend. Doch Vorsicht: Der Umzug in warme Länder kann unter Umständen die Lebenserwartung verkürzen.

Lebensabend an der Sonne?

Viele Menschen machen sich darüber Gedanken, wo sie sich in der Rente niederlassen wollen. Der Süden erscheint auf Grund der höheren Temperaturen dann oft verlockend. Allerdings ist schon lange bekannt, dass Hitze alte Menschen besonders belastet. Sie leiden häufiger an chronischen Erkrankungen wie Herzproblemen oder Diabetes, und allgemein nimmt die Anpassungsfähigkeit des Körpers an Umwelteinflüsse ab. Was bedeutet das nun für den Altersruhesitz im Süden? Damit hat sich die Forschung in den letzten Jahrzehnten beschäftigt.

Die Rolle der Zellalterung

Die Hitzebelastung des Körpers lässt sich zum Beispiel an der Zellalterung beurteilen. Entspricht diese dem Alter des Menschen nach Jahren, dem „chronologischen“ Alter, oder altern die Zellen schneller? Je älter die Zelle ist, desto schlechter kann sie sich an äußere Einflüsse anpassen. Schwere Erkrankungen werden häufiger, die Heilung wird schlechter und die Sterbewahrscheinlichkeit steigt. Die Zellalterung kann mit der „epigenetischen Uhr“ beurteilt werden. Dabei wird aus Blutproben der sogenannte Methylierungsgrad der DNA bestimmt – und dieser sagt wiederum, wie gut es noch um die Anpassungsfähigkeit der Zelle steht.

Temperatur und Zellalterung

In einer US-Studie wurde mit dieser Methode über 6 Jahre der Effekt der Außentemperaturen auf die Zellalterung von Personen über 55 Jahren untersucht. Das Ergebnis: Waren die Testpersonen über längere Zeit höheren Temperaturen ausgesetzt, etwa bei langandauernden sommerlichen Hitzewellen, alterten ihre Zellen schneller. Je nachdem, welches Rechenmodell zur Auswertung benutzt wurde, um etwa 0,5-2,5 Jahre zusätzlich zum chronologischen Alter.

Bei der älteren, aber größeren deutsche KORA-Studie wurden noch mehr Rechenmodelle ausprobiert, und es ergaben sich 1,8-11,7 Jahre zusätzlich. Der größere Effekt ergab sich bei Frauen, bei übergewichtigen Individuen und Diabetiker*innen. Gerade diese Personengruppen sollten sich also ganz besonders gut überlegen, ob das Klima im Süden auf Dauer für sie geeignet ist.

Quellen:

Hitzestress bei Depression

Menschen mit Depressionen leiden häufiger unter Hitze. Doch warum ist das so? 

Hitze als Nebenwirkung

Als Ursache wurde lange angenommen, dass Antidepressiva die Hitzetoleranz verringern. Eine seltene Nebenwirkung von bestimmten Antidepressiva, den Serotinon-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), ist die deutliche Erhöhung der Körperkerntemperatur. Daher liegt die Idee nahe, dass die Medikamente auch die verminderte Hitzetoleranz bei Depression verursachen könnten. Forschende der Universität Pennsylvania stellen das nun in Frage.

4 Gruppen untersucht

Die Forschenden haben dazu mehrere Gruppen an Patient*innen untersucht. Drei Gruppen litten an Depression, davon wurde eine Gruppe mit SSRI behandelt, eine mit SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmern) und eine Gruppe erhielt gar keine Antidepressiva. Die vierte Gruppe hatte keine Depression und diente als Vergleich. Alle Gruppen wurden über einen speziellen Anzug mit warmem Wasser umspült. Danach wurde gemessen, wann die Proband*innen zu schwitzen begannen und wie sehr die Körpertemperatur anstieg.

SSRI fördern Schweißbildung

Das Ergebnis: Die Gruppe mit Depression, die keine Medikamente erhielt, fing später an zu schwitzen als Menschen ohne Depressionen. Dadurch erhöhte sich deren Körpertemperatur. Durch Schwitzen wird Wärme aus dem Körper abgeleitet, die Körpertemperatur also reguliert. Das gleiche galt auch für Menschen mit Depression, die SNRI erhielten. Bekamen die Probanden dagegen SSRI, begannen diese fast so stark zu schwitzen wie die Probanden, die keine Depression hatten. Entgegen früherer Annahmen scheint die geringerer Hitzetoleranz bei Depression also an der Erkrankung selbst zu liegen und nicht an den Medikamenten. Mehr noch, SSRI könnten den Hitzestress sogar verringern. 

Quelle: Ärzteblatt

Kein Survival-Schwimmen für Babys!

Videos von Babys, die scheinbar mühelos im Wasser treiben oder sich selbst retten, gehen in den sozialen Medien millionenfach viral. Doch steckt hinter dem sogenannten Survival-Schwimmen wirklich ein Sicherheitsgewinn – oder birgt der Trend sogar Risiken?

Baby soll sich selbst retten

Ein wenige Monate altes Baby fällt ins Wasser, dreht sich selbstständig auf den Rücken und treibt ruhig an der Oberfläche. Solche Videos sorgen in sozialen Netzwerken nicht nur für Staunen. Sie vermitteln vielen Eltern den Eindruck, dass sich Säuglinge durch ein spezielles Training vor dem Ertrinken schützen lassen.

Kein Wunder, dass immer häufiger entsprechende Kurse angeboten werden oder einige Eltern dies sogar in Eigenregie üben wollen. Die Säuglinge und Kleinkinder sollen dabei lernen, sich nach einem Sturz ins Wasser eigenständig in eine Rückenlage zu drehen und dort zu treiben, bis Hilfe eintrifft. Mit dieser Technik sollen schon die Kleinsten sicher vor dem Ertrinken geschützt sein.

Fake-Videos täuschen

Genau das ist jedoch ein gefährlicher Irrtum. Fachleute betonen: Kein Schwimmkurs kann ein Baby oder Kleinkind „wassersicher“ machen. Selbst Kinder, die entsprechende Übungen beherrschen, können in einer realen Notsituation anders reagieren – etwa durch Panik, Erschöpfung oder ungünstige Strömungsverhältnisse.

Zudem sind die genannten Videos offenbar Fake; Sie zeigen trainierte Kinder, geschnittene Sequenzen und kontrollierte Situationen, die sich nicht auf reale Unfälle übertragen lassen. Eltern sollten sich davon nicht verunsichern lassen, sage Expert*innen und raten vom sogenannten Survival-Schwimmen ab.

Babyschwimmen hat andere Ziele

Ganz anders sieht das mit dem klassischen Babyschwimmen aus: Hier stehen nicht Schwimmtechniken oder Selbstrettung im Vordergrund, sondern die gemeinsame Zeit im Wasser. Die Kurse fördern die Eltern-Kind-Bindung, ermöglichen erste positive Erfahrungen mit Wasser und unterstützen spielerisch die motorische Entwicklung. Leistungsdruck oder Angst haben dabei keinen Platz.

Der beste Schutz vor Ertrinken

Kinderärzt*innen und Wasserrettungsorganisationen sind sich einig: Die wichtigste Maßnahme gegen Badeunfälle ist die lückenlose Aufsicht. Schon wenige Zentimeter Wasser können lebensgefährlich werden – im Planschbecken, Gartenteich oder in der Badewanne. In solch flachen Wasseransammlungen ertrinken die meisten Kinder. Das größte Risiko haben dabei nicht Säuglinge und Babys, sondern Kleinkinder von ein bis drei Jahren. Eltern sollten deshalb: 

  • Kinder am und im Wasser niemals unbeaufsichtigt lassen,
  • immer in Griffweite bleiben, wenn kleine Kinder baden,
  • Pools und Gartenteiche sichern,
  • Schwimmhilfen nur als Unterstützung, nicht als Sicherheitsgarantie betrachten und
  • Kinder frühzeitig an Wasser gewöhnen und später altersgerecht schwimmen lernen lassen.

Quelle: ptaheute

Tennis und Joggen bei Hüftarthrose

Viele Menschen mit Arthrose meiden Laufen, Tennis oder Skifahren aus Angst vor weiterem Gelenkverschleiß. Neue Studiendaten machen jedoch Hoffnung: Bestimmte belastende Sportarten scheinen das Risiko für einen Gelenkersatz nicht zwangsläufig zu erhöhen.

Überraschende Ergebnisse einer großen Studie

Wer an Arthrose leidet, bekommt häufig den Rat, die Gelenke möglichst zu schonen. Vor allem Sportarten mit Sprüngen oder Laufbelastungen gelten als problematisch. Doch neuere Studien zeichnen ein differenzierteres Bild: Körperlich aktive Menschen mit Arthrose müssen nicht automatisch auf sogenannte Impact-Sportarten wie Laufen, Tennis oder Skifahren verzichten.

Forschende werteten z. B. die Daten von mehr als 17000 Menschen mit Hüft- oder Kniearthrose aus. Dabei zeigte sich: Patient*innen mit Hüftarthrose, die regelmäßig besonders intensive Sportarten ausübten, benötigten innerhalb eines Jahres seltener ein künstliches Hüftgelenk als Betroffene mit geringer körperlicher Aktivität.

Auch für Menschen mit Kniearthrose gab es eine beruhigende Botschaft. Zwar ließ sich hier kein schützender Effekt nachweisen, das Risiko für einen Kniegelenkersatz war durch belastende Sportarten aber auch nicht erhöht.

Muskelkraft zählt

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Wer kräftigere Beinmuskeln hatte, schnitt bei einem einfachen Aufstehtest besser ab und benötigte seltener ein künstliches Gelenk. Das unterstreicht die Bedeutung regelmäßiger Bewegung und gezielten Muskeltrainings. Eine gut trainierte Muskulatur entlastet die Gelenke und verbessert ihre Stabilität.

Auffällig war außerdem, dass Menschen mit Arthrose und starker Angst vor Bewegung häufiger eine Hüft- oder Kniegelenksprothese benötigten. Fachleute sprechen hier von einer „Schonspirale“: Aus Angst vor Schmerzen wird Bewegung vermieden, die Muskulatur baut ab und die Beschwerden können zunehmen.

Was empfehlen die Leitlinien?

Auch die aktuellen deutschen Leitlinien sehen Bewegung als einen der wichtigsten Bausteine der Arthrosebehandlung. Empfohlen werden individuell angepasste Übungen zur Kräftigung, Verbesserung der Beweglichkeit und Steigerung der Ausdauer. Entscheidend ist, dass die Belastung zum persönlichen Leistungsvermögen passt und Beschwerden berücksichtigt werden.

Die aktuelle Studie spricht dafür, dass Menschen mit Arthrose nicht grundsätzlich auf ihre Lieblingssportart verzichten müssen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Erkrankung gut kontrolliert ist, Schmerzen und Belastbarkeit berücksichtigt werden und die Trainingsintensität schrittweise gesteigert wird. Um sicher zu sein, sollten Betroffene mit Arthrose vorab Rücksprache mit ihrer behandelnden Ärzt*in halten.

Quelle: Springer Medizin

So kommen Beinvenen in Schwung

Wer beruflich viel stehen muss, mutet seinen Beinvenen einiges zu. Mit den richtigen Schuhen und Strümpfen, kalten Duschen und einfachen Übungen lässt sich die Venengesundheit fördern.

Muskelpumpe stärkt Gefäße

Beinvenen haben eine schwere Aufgabe: Sie müssen dafür sorgen, dass das Blut von den Füßen bis ins Herz transportiert wird. Maßgeblich sind dabei die Spannkraft der Venenwand und die in den Venen vorhandenen Klappen. Letztere bewirken, dass das Blut nicht wieder zurück nach unten sackt. Unterstützt werden die Venen beim Bluttransport außerdem durch die Wadenmuskeln. Sie üben beim Bewegen Druck auf die Venen aus und helfen dadurch, das Blut nach oben zu pumpen. Den Vorgang nennt man deshalb auch „Muskelpumpe“.

Bei langem Herumstehen steht auch die Muskelpumpe still. Oft schaffen es die Beinvenen dann nicht, das Blut ausreichend weiter zu transportieren. Durch den Stau weiten sich die Venenwände, die Klappen können nicht mehr richtig schließen, und das Blut sackt nach unten. Wenn der Druck in den Venen größer wird, tritt Flüssigkeit ins umliegende Gewebe. Es entstehen Ödeme an Füßen und Unterschenkeln – typische Zeichen einer Venenschwäche.

Übungen fürs Büro und Zuhause

Doch dagegen lässt sich vorbeugend einiges tun. Das wichtigste ist reichlich Bewegung. Als Sport besonders geeignet sind Radfahren, Schwimmen und Walken. Im Alltag kann man strapazierte Venen zusätzlich so entlasten:

  • Bequeme, flache Schuhe tragen.
  • Evtl. Kompressionsstrümpfe anziehen (die gibt es inzwischen auch in modischeren Modellen als früher).
  • Langes Stehen auf der Stelle vermeiden.
  • Wenn möglich, in den Arbeitspausen die Füße hochlegen oder zügig zehn Minuten gehen.

Spezielle Übungen bringen die unterstützende Muskelpumpe in Schwung. Sie lassen sich oft zwischendurch unterbringen, z.B. in der Pause, beim Gang zur Toilette oder beim Händewaschen:

  • Auf beide Zehenspitzen stellen und 5 Sekunden halten. 10 Mal wiederholen.
  • Im Stehen abwechselnd rechte und linke Ferse bis in den Zehenstand anheben und wieder abstellen.
  • Gehend oder auf der Stelle tretend abwechselnd das rechte und das linke Knie bis zu einem Winkel von 90° heben und wieder absetzen.
  • Barfuß auf den vorderen Teil eines Tuchs stellen. Mit den Zehen den Rest des Tuchs heranholen.
  • Waden regelmäßig dehnen.

Kalte Dusche freut die Venen

Daneben beugen schon einfache Verhaltensregeln Venenerkrankungen vor. So sollte man lieber laufen und liegen statt sitzen und stehen und so oft wie möglich barfuß gehen. Wärme ist Gift für gestresste Venen, Sonnen- und heiße Wannenbäder sind deshalb zu vermeiden. Wer dagegen seine Beine und Füße regelmäßig von unten nach oben kühl abduscht, tut den Gefäßen Gutes. Und last but not least: Übergewicht macht Beinvenen zusätzlich Druck. Wer darunter leidet, sollte nicht zuletzt aus Rücksicht auf die Gefäße ein paar Pfunde abspecken.

Quelle: ptaheute